Der große Katalog-Check – Der Praxisleitfaden für Unternehmen, die einen Katalog, eine Broschüre oder ein Magazin planen
Was wir aus erfolgreichen Katalogprojekten gelernt haben
Die wichtigsten Erkenntnisse aus zahlreichen Projekten – und warum gute Kataloge letztlich immer aus Sicht ihrer Leser gedacht werden.
Für wen dieser Leitfaden gedacht ist
Dieser Leitfaden richtet sich an Unternehmen, Marketingverantwortliche, Produktmanager, Vertriebsmitarbeiter und alle, die einen Katalog, eine Broschüre, ein Magazin oder ein anderes umfangreiches Printmedium planen. Er basiert auf Erfahrungen aus der Praxis und soll dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen – von der ersten strategischen Überlegung bis zur langfristigen Nutzung des fertigen Mediums.
1. Bevor es losgeht: Warum soll der Katalog überhaupt entstehen?
Wenn Unternehmen über einen neuen Katalog sprechen, beginnt die Diskussion häufig sehr schnell bei Gestaltung, Umfang oder Produktion. Es werden Formate verglichen, Seitenzahlen geschätzt, Bilder gesammelt und erste Layoutideen entwickelt. Dabei bleibt eine Frage erstaunlich oft unbeantwortet:
Warum soll dieser Katalog überhaupt entstehen?
Aus unserer Erfahrung entstehen viele Probleme in Katalogprojekten nicht durch Gestaltung oder Druck, sondern deutlich früher. Nämlich dann, wenn das eigentliche Ziel des Projekts nie klar definiert wurde. Der Auslöser für einen neuen Katalog lautet häufig: „Der alte Katalog ist nicht mehr aktuell.“ Oder: „Wir haben neue Produkte.“ Manchmal wurde das Corporate Design überarbeitet oder der bisherige Katalog stammt schlicht aus einer Zeit, in der das Unternehmen anders aufgestellt war.
All das können gute Gründe für einen Relaunch sein. Sie beantworten jedoch noch nicht die eigentliche Frage nach der Aufgabe des Katalogs.
Denn ein Katalog ist kein Selbstzweck. Er ist ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug sollte zuerst geklärt werden, welche Aufgabe es erfüllen soll.
Die wichtigste Frage im gesamten Projekt
Wenn wir nur eine einzige Frage in die Planungsphase eines Katalogs mitnehmen dürften, wäre es diese:
Was soll der Katalog am Ende leisten?
Der Vertrieb möchte Produkte besser verkaufen. Das Marketing möchte die Marke stärken. Die Geschäftsführung möchte Professionalität vermitteln. Das Produktmanagement möchte möglichst viele Informationen unterbringen. Die Personalabteilung sieht vielleicht die Chance, gleichzeitig das Unternehmen als Arbeitgeber zu präsentieren.
Keine dieser Perspektiven ist falsch. Problematisch wird es erst dann, wenn sie unausgesprochen nebeneinander existieren. Dann entsteht häufig ein Katalog, der versucht, alles gleichzeitig zu sein – Verkaufsinstrument, Nachschlagewerk, Imagebroschüre, Produktdatenbank und Unternehmenspräsentation. Das Ergebnis ist oft ein Medium, das vieles enthält, aber wenig fokussiert kommuniziert.
Je früher die Ziele sichtbar gemacht und priorisiert werden, desto einfacher werden später Entscheidungen zu Struktur, Umfang und Gestaltung.
Ein Katalog kann unterschiedliche Aufgaben erfüllen
Die Vorstellung, dass jeder Katalog dieselbe Funktion erfüllt, führt schnell in die Irre. Tatsächlich unterscheiden sich erfolgreiche Kataloge oft grundlegend voneinander, weil sie unterschiedliche Ziele verfolgen.
Ein Produktkatalog für den technischen Vertrieb hat andere Anforderungen als eine Unternehmensbroschüre für Investoren. Ein Magazin zur Kundenbindung funktioniert anders als eine Broschüre für Messebesucher. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen, welche Rolle der Katalog innerhalb der Kommunikation übernehmen soll.
In manchen Projekten steht der Verkauf im Vordergrund. Der Katalog soll Produkte präsentieren, Unterschiede erklären und Kaufentscheidungen erleichtern. In anderen Fällen geht es stärker um Orientierung. Unternehmen mit umfangreichen Produktportfolios stehen häufig vor der Herausforderung, ihren Kunden überhaupt erst einen Überblick zu verschaffen. Wieder andere Publikationen sollen vor allem Vertrauen schaffen, Kompetenz vermitteln oder die Wahrnehmung der Marke stärken.
Viele dieser Ziele können miteinander kombiniert werden. Dennoch sollte es immer ein Hauptziel geben. Es dient später als Kompass für zahlreiche Entscheidungen.
Verkaufen, informieren oder Vertrauen schaffen?
Eine hilfreiche Übung besteht darin, den Katalog auf eine einzige Kernaufgabe zu reduzieren. Stellen Sie sich vor, der Katalog dürfte nur eine Wirkung erzielen. Welche wäre das?
Soll er verkaufen?
Dann stellt sich die Frage, welche Produkte besonders sichtbar sein sollen, welche Informationen Kaufentscheidungen beeinflussen und wie Leser möglichst einfach zu den relevanten Angeboten geführt werden können.
Soll er informieren?
Dann werden Verständlichkeit, Struktur und Orientierung wichtiger als emotionale Inszenierung. Der Fokus liegt darauf, Wissen zu vermitteln und Fragen zu beantworten.
Soll er Vertrauen schaffen?
Dann gewinnen andere Faktoren an Bedeutung. Die Qualität der Inhalte, die Professionalität der Gestaltung, die Bildwelt und die Materialität des Katalogs tragen dazu bei, wie das Unternehmen wahrgenommen wird.
In vielen Branchen entscheidet ein Katalog nicht unmittelbar über einen Kauf. Er entscheidet jedoch darüber, ob ein Unternehmen als kompetent, zuverlässig und professionell wahrgenommen wird.
Wer soll den Katalog lesen?
Ebenso wichtig wie die Zielsetzung ist die Frage nach der Zielgruppe. Überraschenderweise wird auch sie häufig sehr allgemein beantwortet.
„Unsere Kunden.“
Doch wer genau sind diese Kunden?
Je konkreter diese Frage beantwortet wird, desto hilfreicher wird sie für das Projekt. Denn ein Einkäufer liest anders als ein Techniker. Ein Geschäftsführer sucht nach anderen Informationen als ein Anwender. Ein langjähriger Bestandskunde benötigt andere Inhalte als jemand, der zum ersten Mal mit dem Unternehmen in Kontakt kommt.
Wer täglich mit den eigenen Produkten arbeitet, vergisst leicht, welche Informationen für Außenstehende fehlen. Deshalb lohnt es sich, frühzeitig die Perspektive zu wechseln. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr Unternehmen nicht kennen. Welche Fragen hätten Sie? Welche Informationen würden Sie suchen? Welche Begriffe wären möglicherweise unverständlich? Welche Zusammenhänge müssten erklärt werden?
Je besser ein Katalog die tatsächlichen Fragen seiner Leser beantwortet, desto wertvoller wird er.
Wann und wie wird der Katalog genutzt?
Eine weitere Frage, die häufig unterschätzt wird, betrifft die spätere Nutzung. Denn nicht jeder Katalog wird auf dieselbe Weise gelesen.
Manche Publikationen werden systematisch von vorne bis hinten durchgearbeitet. Andere dienen als Nachschlagewerk. Manche werden mehrfach verwendet, andere nur einmal kurz durchgeblättert. Einige Leser verbringen Stunden mit einem Katalog, andere lediglich wenige Minuten.
Diese Unterschiede haben erhebliche Auswirkungen auf die spätere Struktur.
Ein Techniker, der gezielt nach einer bestimmten Information sucht, benötigt andere Orientierungshilfen als ein Messebesucher, der sich zunächst einen Überblick verschaffen möchte. Ein Katalog, der regelmäßig im Vertrieb eingesetzt wird, muss andere Anforderungen erfüllen als eine Imagebroschüre, die vor allem Interesse wecken soll.
Deshalb ist es sinnvoll, sich bereits zu Beginn die konkrete Nutzung vorzustellen. Wer liest den Katalog? In welcher Situation? Mit welchem Ziel? Und wie viel Aufmerksamkeit steht überhaupt zur Verfügung?
Welche Fragen bringt der Leser mit?
Eine der hilfreichsten Übungen bei der Planung eines Katalogs besteht darin, nicht über Inhalte nachzudenken, sondern über Fragen.
Welche Fragen bringt ein Leser mit, wenn er den Katalog aufschlägt?
Möglicherweise möchte er wissen, welches Produkt für seinen Anwendungsfall geeignet ist. Vielleicht interessiert ihn der Unterschied zwischen mehreren Varianten. Eventuell sucht er nach Preisen, technischen Daten oder Referenzen.
Je nach Branche können diese Fragen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Methode bleibt jedoch dieselbe: Statt Informationen aus Unternehmenssicht zu sammeln, werden Fragen aus Lesersicht betrachtet.
Diese Perspektive verändert häufig die gesamte Struktur eines Katalogs. Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, möglichst viele Informationen unterzubringen. Es geht darum, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit bereitzustellen.
Was soll nach dem Lesen passieren?
Ein Katalog erfüllt seine Aufgabe nicht automatisch dadurch, dass er gelesen wurde.
Letztlich soll er etwas bewirken.
Deshalb lohnt sich zum Ende der Planungsphase eine weitere zentrale Frage:
Was soll der Leser nach dem Lesen tun?
Die Antwort kann sehr unterschiedlich ausfallen. Vielleicht soll er Kontakt aufnehmen. Vielleicht ein Angebot anfordern. Vielleicht eine Website besuchen oder einen Termin vereinbaren. Eventuell soll er sich einfach besser informiert fühlen oder das Unternehmen positiver wahrnehmen.
Entscheidend ist, dass diese gewünschte Wirkung bewusst definiert wird. Denn nur dann lässt sich beurteilen, ob der Katalog seine Aufgabe erfüllt.
Die Rolle des Katalogs im gesamten Kommunikationssystem
Früher musste ein Katalog häufig alles leisten. Heute stehen Unternehmen zahlreiche weitere Kommunikationskanäle zur Verfügung. Websites, Apps, Online-Shops, Videos, Produktdatenbanken oder digitale Konfiguratoren übernehmen Aufgaben, die früher ausschließlich Printmedien vorbehalten waren.
Gerade deshalb wird die Frage nach der Rolle des Katalogs immer wichtiger.
Nicht jede Information muss zwangsläufig gedruckt werden. Nicht jede Funktion gehört in einen Katalog. Oft entsteht die größte Wirkung durch das Zusammenspiel verschiedener Medien.
Ein Katalog kann beispielsweise inspirieren und Orientierung schaffen, während die Website aktuelle Informationen liefert. Technische Daten können digital gepflegt werden, während die gedruckte Publikation die Marke erlebbar macht. QR-Codes können zusätzliche Inhalte erschließen, ohne den Katalog unnötig zu überladen.
Wer diese Zusammenhänge frühzeitig berücksichtigt, trifft später häufig bessere Entscheidungen.
Fazit: Bevor über Gestaltung gesprochen wird
Die wichtigsten Entscheidungen eines Katalogprojekts betreffen nicht Farben oder Formate. Sie betreffen Zielsetzung, Zielgruppe und Nutzung.
A – Warum entsteht der Katalog?
B – Wer soll ihn lesen?
C – Welche Fragen soll er beantworten?
D – Welche Wirkung soll er erzielen?
Erst wenn diese Grundlagen geklärt sind, entsteht eine belastbare Basis für alle weiteren Entscheidungen. Und genau dort beginnt aus unserer Sicht gutes Katalogdesign.
2. Die Realität der Nutzung: Wo begegnet der Kunde dem Katalog?
Nachdem im ersten Kapitel die grundsätzliche Frage geklärt wurde, warum ein Katalog überhaupt entstehen soll, folgt nun ein Thema, das ebenso zu den wichtigen Aspekten eines Katalogprojekts gehört: die spätere Nutzung.
Die Nutzungssituation beeinflußt nahezu jede Entscheidung, die im weiteren Verlauf des Projekts getroffen wird. Sie bestimmt mit, welche Inhalte wichtig sind, wie umfangreich ein Katalog werden darf, welche Orientierungssysteme sinnvoll sind, wie robust die Verarbeitung sein sollte und sogar, welche Rolle das Cover spielen muss.
Den Katalog aus Nutzerperspektive planen
Wer täglich mit den eigenen Produkten, Dienstleistungen oder Themen arbeitet, betrachtet einen Katalog zwangsläufig aus einer internen Perspektive. Man kennt die Inhalte. Man weiß, welche Produkte wichtig sind. Man kennt die Unterschiede zwischen einzelnen Leistungen und versteht die Fachbegriffe.
Der spätere Leser befindet sich in einer völlig anderen Situation.
Er schlägt den Katalog möglicherweise zum ersten Mal auf. Er kennt die Struktur nicht. Er weiß nicht, welche Informationen ihn erwarten. Vielleicht sucht er gezielt nach einer Lösung. Vielleicht möchte er sich lediglich einen Überblick verschaffen. Vielleicht wurde ihm der Katalog überreicht und er hat noch gar keine konkrete Fragestellung.
Genau deshalb lohnt sich ein Perspektivwechsel.
Statt zu überlegen, wie man Inhalte präsentieren möchte, sollte zunächst darüber nachgedacht werden, wie Menschen den Katalog tatsächlich erleben.
A – Wo befinden sie sich?
B – Wie viel Zeit haben sie?
C – Wie aufmerksam sind sie?
D – Welche Fragen bringen sie mit?
E – Welche Informationen suchen sie zuerst?
Diese Fragen wirken auf den ersten Blick selbstverständlich. Tatsächlich verändern sie häufig die gesamte Herangehensweise an ein Projekt.
Nicht jeder Leser schenkt Ihnen dieselbe Aufmerksamkeit
Ein Aspekt wird bei der Planung von Katalogen besonders häufig überschätzt: die Aufmerksamkeit der Leser.
Natürlich wünschen wir uns alle, dass ein Katalog aufmerksam gelesen wird. Dass Menschen sich Zeit nehmen, Inhalte studieren und sich intensiv mit dem Angebot auseinandersetzen.
Die Realität sieht jedoch meist anders aus.
Viele Leser überfliegen zunächst. Sie blättern. Sie springen zwischen Seiten. Sie suchen nach Orientierungspunkten. Sie entscheiden innerhalb kurzer Zeit, ob ein Thema relevant erscheint oder nicht.
Das bedeutet nicht, dass Menschen grundsätzlich oberflächlich lesen. Es bedeutet lediglich, dass Aufmerksamkeit verdient werden muss.
Ein Katalog muss deshalb auf mehreren Ebenen funktionieren. Er sollte Menschen ansprechen, die lediglich durchblättern. Er sollte Menschen unterstützen, die gezielt nach Informationen suchen.
Und er sollte gleichzeitig genügend Tiefe bieten für diejenigen, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten.
In der Praxis bedeutet das häufig, dass Informationen unterschiedlich aufbereitet werden müssen. Die wichtigsten Botschaften sollten schnell erfassbar sein. Vertiefende Inhalte dürfen vorhanden sein, sollten aber nicht zur Voraussetzung werden, um den Katalog zu verstehen.
Die Nutzungssituation verändert alles
Der gleiche Katalog kann in unterschiedlichen Situationen völlig unterschiedlich wahrgenommen werden.
Nehmen wir als Beispiel einen Produktkatalog.
Wird dieser auf einer Messe eingesetzt, konkurriert er mit unzähligen anderen Eindrücken. Besucher führen Gespräche, sammeln Informationen und bewegen sich ständig weiter. Die Aufmerksamkeit ist begrenzt. Der Katalog muss Interesse wecken und Orientierung schaffen.
Wird derselbe Katalog später im Unternehmen des Interessenten gelesen, verändert sich die Situation vollständig. Nun steht möglicherweise mehr Zeit zur Verfügung. Produkte werden verglichen. Informationen werden genauer betrachtet. Details gewinnen an Bedeutung.
Wird der Katalog schließlich im Vertrieb eingesetzt, entsteht erneut eine andere Situation. Jetzt dient er vielleicht als Gesprächsgrundlage. Einzelne Seiten werden gemeinsam betrachtet. Bestimmte Inhalte werden regelmäßig gezeigt. Andere spielen eine untergeordnetere Rolle.
Obwohl der Katalog derselbe bleibt, verändern sich die Anforderungen mit jeder Nutzungssituation.
Deshalb lohnt es sich bereits zu Beginn eines Projekts, möglichst konkret über die späteren Einsatzorte nachzudenken.
Wenn der erste Kontakt nur wenige Sekunden dauert
Besonders deutlich wird die Bedeutung der Nutzungssituation beim ersten Kontakt mit einem Katalog.
Gerade auf Messen, in Auslagen oder in Wartebereichen entstehen erste Eindrücke innerhalb weniger Sekunden.
Ein potenzieller Leser fragt sich meist nicht bewusst: „Ist dieser Katalog gut gestaltet?“ Er fragt sich vielmehr: „Ist das für mich relevant?“Diese Relevanz muss möglichst schnell erkennbar sein.
Deshalb sollten Unternehmen bereits früh überlegen, welche Informationen unmittelbar sichtbar werden müssen. Welche Botschaft soll beim ersten Kontakt vermittelt werden? Welche Themen sind so wichtig, dass sie innerhalb weniger Augenblicke verstanden werden sollten?
Der Einfluss von Prospektständern und Auslagen
Viele Kataloge werden so gestaltet, als würde das Cover jederzeit vollständig sichtbar sein.
In der Realität landen zahlreiche Broschüren und Kataloge jedoch in Prospektständern, Auslagen oder Regalen. Dort verschwindet häufig ein großer Teil der Titelseite.
Manchmal bleibt lediglich das obere Drittel sichtbar. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung erheblich.
Ein Titelbild, das auf dem Bildschirm hervorragend funktioniert, kann in einer Auslage nahezu wirkungslos werden. Wichtige Informationen verschwinden. Aussagen werden unvollständig. Die Orientierung leidet.
Wer diese Nutzungssituation frühzeitig berücksichtigt, trifft oft andere Entscheidungen bei der Covergestaltung.
Die Frage lautet dann nicht mehr: „Wie sieht das Cover aus?“ Sondern: „Wie wirkt das Cover unter realen Bedingungen?“
Diese Denkweise lässt sich auf viele andere Bereiche eines Katalogs übertragen.
Wenn der Katalog zum Arbeitswerkzeug wird
Nicht jeder Katalog dient ausschließlich der Inspiration oder Information.Manche Kataloge werden zu echten Arbeitswerkzeugen.
Das gilt beispielsweise für technische Nachschlagewerke, Produktkataloge im B2B-Bereich, medizinische Informationsmedien oder umfangreiche Sortimentsübersichten.
In solchen Fällen verändert sich die Rolle des Katalogs grundlegend.
Der Leser möchte nicht stöbern. Er möchte finden. Er sucht konkrete Informationen. Er benötigt Orientierung. Er möchte Zusammenhänge verstehen und Inhalte schnell wiederfinden.
Nutzung erzeugt Anforderungen an Material und Verarbeitung
Je konkreter über die spätere Nutzung nachgedacht wird, desto schneller entstehen auch Fragen zur physischen Beschaffenheit des Katalogs.
Ein Katalog, der ausschließlich im Besprechungsraum genutzt wird, benötigt andere Eigenschaften als ein Katalog, der täglich im Außendienst eingesetzt wird.
Ein Medium, das auf einer Baustelle verwendet wird, wird anders beansprucht als eine Imagebroschüre für Investoren.
In manchen Branchen müssen Kataloge regelmäßig transportiert werden. In anderen werden sie von vielen Personen gleichzeitig genutzt. Manche werden über Jahre hinweg aufbewahrt. Andere erfüllen ihre Aufgabe innerhalb weniger Wochen.
Diese Unterschiede wirken sich auf Papier, Verarbeitung, Format und Haltbarkeit aus.
Gute Kataloge entstehen aus Beobachtung
A – Wie nutzt der Vertrieb vorhandene Unterlagen?
B – Welche Seiten werden Kunden regelmäßig gezeigt?
C – Welche Informationen werden häufig gesucht?
D – Welche Fragen tauchen immer wieder auf?
E – Welche Inhalte werden ignoriert?
Solche Beobachtungen liefern oft wertvolle Erkenntnisse.
Fazit
Die spätere Nutzung eines Katalogs beeinflusst deutlich mehr als nur Format oder Papierwahl. Sie wirkt sich auf Inhalte, Struktur, Orientierung, Informationshierarchien und Gestaltung aus.
Wer versteht, wo ein Katalog eingesetzt wird, wie viel Aufmerksamkeit ihm zur Verfügung steht und welche Aufgaben er im Alltag erfüllen muss, schafft die Grundlage für zahlreiche spätere Entscheidungen.
3. Die Inhaltsinventur: Was gehört wirklich hinein?
Nachdem in den ersten beiden Kapiteln die Ziele des Katalogs und die spätere Nutzung betrachtet wurden, folgt nun eine Frage, die über den Erfolg des gesamten Projekts entscheidet:
Welche Inhalte gehören überhaupt in den Katalog?
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Antwort auf diese Frage relativ einfach ist. Schließlich existieren bereits Produktinformationen, Broschüren, Präsentationen, technische Datenblätter, Website-Texte oder ältere Kataloge. Oft wird deshalb angenommen, man müsse diese Inhalte lediglich sammeln, aktualisieren und neu gestalten.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die eigentliche Herausforderung nicht darin besteht, Inhalte zu finden. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Inhalte auszuwählen.
Tatsächlich beobachten wir in Katalogprojekten selten einen Mangel an Informationen. Viel häufiger erleben wir das Gegenteil. Über Jahre hinweg sammeln sich Inhalte an. Neue Produkte kommen hinzu, bestehende Angebote werden erweitert, zusätzliche Informationen werden ergänzt. Fast alles erscheint irgendwann einmal wichtig genug, um dokumentiert zu werden. Mit jeder Überarbeitung wächst der Umfang.
Irgendwann entsteht ein Katalog, der zwar sehr viele Informationen enthält, aber nicht unbedingt mehr Orientierung bietet.
Genau deshalb lohnt es sich, vor der eigentlichen Gestaltung einen Schritt zurückzutreten und die Inhalte grundsätzlich zu hinterfragen.
Der alte Katalog ist selten die beste Vorlage
Ein Unternehmen plant einen neuen Katalog. Also wird zunächst der bisherige Katalog geöffnet. Anschließend beginnt die Überarbeitung Seite für Seite. Einige Inhalte werden aktualisiert. Neue Produkte werden ergänzt. Veraltete Informationen entfernt. Am Ende entsteht eine modernisierte Version des bisherigen Katalogs.
Auf den ersten Blick wirkt dieses Vorgehen logisch. Schließlich existiert bereits eine Struktur, die sich über Jahre entwickelt hat.
Gleichzeitig birgt dieser Ansatz eine Gefahr.Denn der bisherige Katalog beantwortet vor allem die Frage:Wie haben wir unsere Inhalte bisher dargestellt?
Er beantwortet nicht automatisch die Frage:
Wie sollten wir unsere Inhalte künftig darstellen?
Jeder neue Katalog bietet die Chance, grundlegende Annahmen zu hinterfragen. Vielleicht hat sich das Unternehmen verändert. Vielleicht haben sich Kundenbedürfnisse verändert. Vielleicht haben sich Produkte, Märkte oder Kommunikationswege weiterentwickelt.
Wer ausschließlich vom bisherigen Katalog ausgeht, übernimmt oft unbewusst auch dessen Schwächen.
Deshalb lohnt es sich, die Inhaltsplanung zunächst unabhängig von bestehenden Dokumenten zu betrachten.
Die Perspektive des Unternehmens ist nicht automatisch die Perspektive des Kunden
Ein weiterer Grund, warum Inhaltsentscheidungen häufig schwierig sind, liegt in der unterschiedlichen Wahrnehmung von Relevanz.
Innerhalb eines Unternehmens erscheint vieles selbstverständlich wichtig.
Schließlich beschäftigt man sich täglich mit den eigenen Produkten, Dienstleistungen und Prozessen. Man kennt die Unterschiede zwischen Varianten. Man versteht die Fachbegriffe. Man weiß, welche Informationen besonders sorgfältig erarbeitet wurden.
Der Leser besitzt dieses Wissen jedoch nicht.
Er interessiert sich in erster Linie für seine eigenen Fragen, Herausforderungen und Ziele.
Genau hier entsteht häufig eine Lücke.
Unternehmen neigen dazu, Inhalte aus ihrer eigenen Perspektive zu bewerten. Kunden bewerten dieselben Inhalte aus einer völlig anderen Perspektive.
Ein technisches Detail, das intern intensiv diskutiert wird, kann für den Kunden kaum relevant sein. Gleichzeitig kann eine scheinbar einfache Information, die intern als selbstverständlich gilt, für die Kaufentscheidung entscheidend sein.
Deshalb lohnt sich bei jedem Inhalt eine einfache Frage:
Hilft diese Information dem Leser dabei, sein Ziel zu erreichen?
Diese Frage klingt banal. In der Praxis verändert sie jedoch häufig die gesamte Priorisierung von Inhalten.
Nicht Informationen sammeln – Fragen sammeln
Eine der hilfreichsten Methoden bei der Planung von Kataloginhalten besteht darin, den Prozess umzudrehen.
Viele Unternehmen beginnen damit, Informationen zusammenzutragen. Produktbeschreibungen werden gesammelt. Leistungsübersichten erstellt. Datenblätter zusammengeführt.
Oft ist es jedoch sinnvoller, zunächst Fragen zu sammeln.
Welche Fragen stellen Kunden regelmäßig?
Welche Themen kommen in Beratungsgesprächen immer wieder auf?
Welche Unsicherheiten bestehen vor einer Kaufentscheidung?
Welche Missverständnisse treten häufig auf?
Welche Informationen werden regelmäßig nachgefragt?
Wer Vertrieb, Kundenservice oder Beratung in diese Phase einbezieht, erhält oft überraschende Erkenntnisse.
Denn die besten Inhalte entstehen häufig dort, wo echte Fragen beantwortet werden.
Ein Katalog wird nicht wertvoll, weil er möglichst viele Informationen enthält. Er wird wertvoll, weil er die richtigen Antworten liefert.
Was Leser wirklich suchen
Ein interessanter Gedanke bei der Inhaltsplanung lautet:
Menschen suchen selten nach Informationen. Sie suchen nach Lösungen.
Wer einen Produktkatalog aufschlägt, interessiert sich häufig nicht für das Produkt selbst. Er interessiert sich für das Problem, das dieses Produkt lösen kann.
Wer eine Unternehmensbroschüre liest, möchte meist nicht einfach Unternehmensdaten konsumieren. Er möchte einschätzen, ob ein Anbieter vertrauenswürdig ist.
Wer technische Informationen sucht, möchte häufig eine Entscheidung treffen oder eine Aufgabe lösen.
Diese Perspektive verändert die Art, wie Inhalte aufgebaut werden.
Statt Informationen isoliert darzustellen, entsteht die Möglichkeit, sie stärker an den Bedürfnissen der Leser auszurichten.
Das bedeutet nicht, dass Fakten unwichtig werden. Im Gegenteil. Es bedeutet lediglich, dass Informationen in einen relevanten Zusammenhang gestellt werden sollten.
Die Kunst des Weglassens
Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Inhaltsplanung besteht darin, Dinge wegzulassen.
Viele Unternehmen empfinden dies zunächst als Verlust.
Schließlich wurde jede Information irgendwann aus einem bestimmten Grund erstellt. Vielleicht hat sie Zeit gekostet. Vielleicht wurde sie sorgfältig abgestimmt. Vielleicht war sie in früheren Projekten wichtig.
Dennoch gehört das Weglassen zu den wertvollsten Leistungen innerhalb eines Katalogprojekts.
Jeder zusätzliche Inhalt beansprucht Aufmerksamkeit.
Jede zusätzliche Seite verlängert den Weg zu relevanten Informationen.
Jeder zusätzliche Absatz konkurriert mit anderen Aussagen.
Deshalb führt mehr Inhalt nicht automatisch zu einem besseren Katalog.
In vielen Fällen entsteht sogar das Gegenteil.
Je umfangreicher Informationen werden, desto schwieriger wird es für Leser, das Wesentliche zu erkennen.
Ein guter Katalog zeichnet sich deshalb nicht dadurch aus, dass alles enthalten ist.
Er zeichnet sich dadurch aus, dass das Richtige enthalten ist.
Inhalte bündeln statt wiederholen
Ein weiteres Phänomen begegnet uns regelmäßig bei der Analyse bestehender Kataloge.
Viele Informationen tauchen mehrfach auf. Produktgruppen werden wiederholt beschrieben. Vorteile erscheinen an verschiedenen Stellen. Technische Merkmale werden mehrfach erklärt. Unternehmensinformationen verteilen sich über zahlreiche Seiten.
Meist geschieht dies nicht absichtlich. Die Wiederholungen entstehen über Jahre hinweg, wenn neue Inhalte ergänzt werden. Dadurch wächst nicht nur der Umfang. Häufig leidet auch die Verständlichkeit.
Deshalb lohnt es sich, Inhalte systematisch auf Überschneidungen zu prüfen.
A – Welche Informationen gelten für mehrere Produkte?
B – Welche Erklärungen müssen nur einmal gegeben werden?
C – Welche Inhalte könnten zentral zusammengefasst werden?
D – Oft entstehen dadurch nicht nur schlankere Kataloge, sondern auch deutlich verständlichere.
E – Welche Inhalte fehlen häufig?
Interessanterweise beschäftigen sich viele Unternehmen vor allem mit der Frage, welche Inhalte reduziert werden können. Mindestens genauso spannend ist jedoch die gegenteilige Frage: Welche Inhalte fehlen bislang?
In zahlreichen Projekten stellen wir fest, dass wichtige Informationen zwar im Unternehmen vorhanden sind, im Katalog jedoch kaum sichtbar werden.
Dazu gehören beispielsweise Erfahrungen aus Projekten, typische Kundenfragen, Anwendungsbeispiele oder Entscheidungshilfen.
Besonders im B2B-Bereich konzentrieren sich viele Kataloge stark auf Produkteigenschaften. Deutlich seltener wird erklärt, wie Produkte tatsächlich eingesetzt werden, welche Herausforderungen sie lösen oder welche Überlegungen bei der Auswahl eine Rolle spielen.
Dabei sind genau diese Informationen häufig besonders hilfreich.
Menschen verstehen Angebote leichter, wenn sie deren Anwendung verstehen.
Deshalb lohnt sich die Frage nicht nur nach vorhandenen Inhalten, sondern auch nach fehlenden Perspektiven.
Nicht jede Information muss gedruckt werden
Ein Gedanke gewinnt heute zunehmend an Bedeutung. Früher musste ein Katalog häufig sämtliche Informationen enthalten. Heute stehen Unternehmen zahlreiche zusätzliche Kommunikationskanäle zur Verfügung.
Websites, Online-Shops, Apps, Produktdatenbanken oder digitale Dokumentationen können Informationen bereitstellen, die früher zwingend gedruckt werden mussten.
Deshalb stellt sich bei vielen Inhalten eine neue Frage: Muss diese Information überhaupt im Katalog stehen? Besonders Informationen mit hoher Änderungsfrequenz eignen sich oft besser für digitale Kanäle. Dasselbe gilt für sehr umfangreiche technische Daten, Preislisten oder Inhalte, die regelmäßig aktualisiert werden müssen.
Ein Katalog gewinnt häufig an Qualität, wenn nicht jede verfügbare Information integriert wird. Stattdessen kann er sich stärker auf diejenigen Inhalte konzentrieren, die seine eigentliche Aufgabe unterstützen.
Eine Inhaltsinventur ist mehr als eine Bestandsaufnahme
Der Begriff „Inhaltsinventur“ klingt zunächst technisch. Tatsächlich geht es jedoch um weit mehr als das Sammeln von Informationen.
Eine gute Inhaltsinventur hinterfragt bestehende Inhalte. Sie bewertet deren Relevanz. Sie erkennt Lücken. Sie deckt Wiederholungen auf. Und sie hilft dabei, die Perspektive des Lesers einzunehmen.
Genau deshalb sollte dieser Schritt nicht als organisatorische Pflichtaufgabe betrachtet werden. Er gehört zu den strategisch wichtigsten Phasen eines Katalogprojekts. Viele spätere Probleme lassen sich bereits hier vermeiden.
Fazit
Bevor über Gestaltung, Layout oder Papier gesprochen wird, sollte klar sein, welche Inhalte tatsächlich in den Katalog gehören.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Informationen zu sammeln. Es geht darum, die Informationen auszuwählen, die den größten Nutzen für die späteren Leser bieten.
Aus unserer Erfahrung entstehen die besten Kataloge nicht dort, wo alles aufgenommen wird, was vorhanden ist. Sie entstehen dort, wo bewusst priorisiert, hinterfragt und reduziert wird.
Wer die Inhaltsplanung ernst nimmt, schafft die Grundlage für Übersichtlichkeit, Verständlichkeit und Orientierung. Und genau diese Eigenschaften entscheiden später darüber, ob ein Katalog genutzt wird oder lediglich Informationen archiviert.
Im nächsten Kapitel geht es deshalb um die Frage, wie diese ausgewählten Inhalte sinnvoll geordnet werden können. Denn selbst die besten Inhalte verlieren an Wert, wenn Leser nicht verstehen, wie sie zusammenhängen oder wo sie zu finden sind.
4. Inhalte strukturieren: Wie findet man die richtige Ordnung?
Nachdem im vorherigen Kapitel die Frage geklärt wurde, welche Inhalte überhaupt einen Platz im Katalog verdienen, folgt nun der nächste entscheidende Schritt. Denn selbst die besten Inhalte entfalten ihren Wert nur dann, wenn Leser sie verstehen, einordnen und wiederfinden können.
Aus unserer Erfahrung wird genau dieser Aspekt häufig unterschätzt.
Unternehmen investieren viel Zeit in die Sammlung von Informationen. Produkte werden beschrieben, Leistungen dokumentiert, Bilder erstellt und Texte abgestimmt. Am Ende steht ein umfangreicher Fundus an Inhalten. Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch oft erst danach:
Wie bringt man all diese Informationen in eine Ordnung, die für den Leser sinnvoll ist?
Diese Frage wirkt auf den ersten Blick organisatorisch. Tatsächlich beeinflusst sie die gesamte Nutzererfahrung. Eine gute Struktur macht Inhalte verständlich, auffindbar und nachvollziehbar. Eine schlechte Struktur sorgt dafür, dass selbst wertvolle Informationen übersehen werden.
Dabei beobachten wir immer wieder denselben Konflikt: Unternehmen ordnen Inhalte häufig so, wie sie selbst organisiert sind. Leser suchen jedoch selten auf dieselbe Weise.
Der häufigste Fehler: Die interne Struktur wird zur Katalogstruktur
Fast jedes Unternehmen besitzt eine eigene Logik. Es gibt Abteilungen, Produktgruppen, Verantwortlichkeiten, Geschäftsbereiche und gewachsene Organisationsstrukturen. Für Mitarbeitende ergeben diese Strukturen Sinn. Sie beschäftigen sich täglich damit und kennen die Zusammenhänge.
Wenn ein neuer Katalog entsteht, werden diese internen Strukturen häufig automatisch übernommen. Produkte werden nach Herstellungsbereichen sortiert. Dienstleistungen orientieren sich an internen Zuständigkeiten. Kapitel entstehen entlang organisatorischer Grenzen.
Das Problem dabei ist nicht, dass diese Struktur falsch wäre. Das Problem ist, dass Kunden meist völlig anders denken. Ein Kunde interessiert sich selten dafür, welche Abteilung für ein Produkt verantwortlich ist. Er möchte vielmehr wissen, welches Produkt sein Problem löst. Er sucht nach einer Anwendung, einer Branche, einer Herausforderung oder einer konkreten Fragestellung.
Dadurch entsteht häufig eine Diskrepanz zwischen der internen Sichtweise und der Perspektive des Lesers.
Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Katalog intuitiv nutzbar wird oder nicht.
Kunden suchen selten nach Produkten
Eine Beobachtung, die wir in vielen Projekten gemacht haben:
Unternehmen glauben oft, dass Kunden nach Produkten suchen. Tatsächlich suchen Kunden häufig nach Lösungen. Das klingt zunächst nach einer sprachlichen Feinheit, hat aber weitreichende Auswirkungen auf die Struktur eines Katalogs.
Nehmen wir als Beispiel einen Hersteller technischer Komponenten. Intern wird das Sortiment möglicherweise nach Produktfamilien organisiert. Für die Entwicklung, Produktion und Logistik ergibt das Sinn.
Ein Kunde denkt jedoch oft anders. Er fragt sich vielleicht:
A – Wie löse ich dieses Problem?
B – Welche Lösung eignet sich für meinen Anwendungsfall?
C – Welche Produkte funktionieren unter diesen Bedingungen?
D – Welche Variante passt zu meiner Situation?
Der Kunde startet also nicht zwangsläufig bei einem Produkt. Er startet bei seiner Aufgabe. Je stärker sich die Struktur eines Katalogs an diesem Denkprozess orientiert, desto leichter fällt die Orientierung.
Es gibt nicht die eine richtige Struktur
Genau deshalb lohnt es sich, die verschiedenen Möglichkeiten bewusst zu betrachten. Die wichtigste Frage lautet dabei nicht: Wie würden wir die Inhalte sortieren? Sondern: Wie würde der Leser danach suchen?
Erst wenn diese Frage beantwortet wird, lässt sich beurteilen, welche Struktur tatsächlich hilfreich ist.
Struktur nach Produkten
Die klassische Variante vieler Kataloge besteht darin, Inhalte nach Produkten oder Produktgruppen zu organisieren.
Für Unternehmen ist diese Lösung oft naheliegend. Produkte bilden die Grundlage des Angebots. Zuständigkeiten, Sortimente und interne Prozesse orientieren sich häufig daran.
Für Leser kann eine solche Struktur sehr gut funktionieren – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Nämlich dann, wenn bereits bekannt ist, wonach gesucht wird.
Wer genau weiß, welches Produkt oder welche Produktgruppe relevant ist, findet sich in einer produktorientierten Struktur meist schnell zurecht. Schwieriger wird es für Interessenten, die sich noch in einer frühen Entscheidungsphase befinden. Ihnen fehlt häufig die Orientierung, um die richtige Produktgruppe überhaupt auszuwählen.
Deshalb lohnt sich die Frage, wie viele Leser den Katalog bereits mit einer konkreten Produktvorstellung öffnen.
Struktur nach Anwendungen
In vielen Fällen orientieren sich Leser stärker an ihrer Aufgabe als an einem bestimmten Produkt.
Deshalb kann eine Struktur nach Anwendungen deutlich intuitiver sein. Statt Produkte in den Mittelpunkt zu stellen, werden typische Einsatzbereiche betrachtet.
Der Leser findet sich dann beispielsweise über Fragestellungen wie:
A – Was möchte ich erreichen?
B – Wo wird die Lösung eingesetzt?
C – Welche Anforderungen bestehen?
Der große Vorteil dieser Herangehensweise liegt darin, dass sie näher an der Denkweise vieler Kunden ist. Besonders bei erklärungsbedürftigen Produkten kann eine anwendungsorientierte Struktur den Einstieg erheblich erleichtern.
Struktur nach Zielgruppen
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Inhalte nach Zielgruppen zu organisieren. Diese Herangehensweise begegnet uns häufig bei Dienstleistungsunternehmen, Verbänden, Bildungseinrichtungen oder komplexen B2B-Angeboten. Die zentrale Frage lautet hier: Für wen ist der Inhalt relevant?
Dadurch entstehen Kapitel, die sich an den Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzergruppen orientieren. Ein Geschäftsführer sucht andere Informationen als ein technischer Leiter. Ein Einkäufer hat andere Fragen als ein Anwender.
Wer diese Unterschiede berücksichtigt, kann Informationen deutlich gezielter aufbereiten. Allerdings entsteht auch eine Herausforderung.
Viele Inhalte überschneiden sich zwischen verschiedenen Zielgruppen. Deshalb muss sorgfältig entschieden werden, welche Informationen mehrfach erscheinen und welche zentral zusammengeführt werden.
Struktur nach Branchen
Gerade im B2B-Bereich beobachten wir häufig, dass Kunden stark in branchenspezifischen Kategorien denken. Ein Produkt kann in unterschiedlichen Branchen völlig unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Deshalb kann es sinnvoll sein, Anwendungen, Referenzen und Leistungen entlang branchenspezifischer Anforderungen darzustellen. Für den Leser entsteht dadurch ein vertrauter Kontext.
Er erkennt schneller, welche Inhalte für seine Situation relevant sind. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Interessenten verstanden fühlen, weil ihre konkreten Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Warum Mischformen oft die beste Lösung sind
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die wenigsten Kataloge ausschließlich einer einzigen Struktur folgen. Viele erfolgreiche Projekte kombinieren mehrere Perspektiven.
Ein Leser steigt möglicherweise über eine Anwendung ein, orientiert sich anschließend über Produktgruppen und vertieft einzelne Themen anhand branchenspezifischer Beispiele.
Solche hybriden Strukturen wirken auf den ersten Blick komplexer. Für den Nutzer können sie jedoch deutlich hilfreicher sein, weil sie verschiedene Denkweisen gleichzeitig berücksichtigen.
Die Herausforderung besteht darin, diese unterschiedlichen Ebenen sauber miteinander zu verknüpfen. Genau hier spielen Orientierungssysteme, Querverweise und Informationshierarchien eine wichtige Rolle – Themen, die in den folgenden Kapiteln noch ausführlich behandelt werden.
Eine gute Struktur reduziert Suchaufwand
Aus Nutzersicht lässt sich die Qualität einer Struktur oft an einer einfachen Frage messen: Wie viel Arbeit muss der Leser leisten, um die gewünschte Information zu finden?
Je mehr Suchaufwand entsteht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte übersehen werden. Viele Unternehmen unterschätzen diesen Effekt.
Sie kennen ihre eigenen Inhalte so gut, dass die Navigation selbstverständlich erscheint. Neue Leser besitzen diesen Wissensvorsprung jedoch nicht. Deshalb lohnt es sich, jede Struktur aus Sicht eines Außenstehenden zu betrachten.
A – Welche Informationen würden zuerst erwartet?
B – Welche Wege erscheinen logisch?
C – Wo entstehen Unsicherheiten?
D – Wo könnten Leser falsch abbiegen?
Diese Fragen liefern häufig wertvollere Erkenntnisse als lange interne Diskussionen.
Die beste Struktur erkennt man oft an fehlenden Fragen
Ein interessantes Phänomen zeigt sich bei gut strukturierten Katalogen.
Leser denken kaum über die Struktur nach. Sie finden Informationen dort, wo sie sie erwarten Zusammenhänge erscheinen logisch. Die Navigation wirkt selbstverständlich. Genau deshalb wird gute Informationsarchitektur oft übersehen.
Sie fällt erst dann auf, wenn sie fehlt. Wenn Leser lange suchen müssen. Wenn Inhalte mehrfach gelesen werden müssen. Wenn Zusammenhänge unklar bleiben. Eine gute Struktur macht Informationen nicht nur auffindbar. Sie reduziert kognitive Belastung. Sie hilft Menschen dabei, sich auf Inhalte zu konzentrieren, statt Energie für die Orientierung aufzuwenden.
Struktur ist keine Designentscheidung
Eine wichtige Erkenntnis aus vielen Projekten lautet: Die Struktur eines Katalogs sollte nicht erst während der Gestaltung entstehen. Zu häufig wird versucht, Informationsprobleme später durch Layout zu lösen.
Doch selbst das beste Design kann eine schlechte Struktur nur begrenzt ausgleichen. Die grundlegende Ordnung eines Katalogs sollte deshalb möglichst früh definiert werden. Noch bevor erste Layouts entstehen. Noch bevor Seiten gestaltet werden. Denn die Struktur bildet das Fundament, auf dem alle weiteren Entscheidungen aufbauen.
Fazit
Die Auswahl guter Inhalte ist nur der erste Schritt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie diese Inhalte organisiert werden.
Dabei lohnt es sich, die eigene Perspektive bewusst zu verlassen. Was intern logisch erscheint, muss für Kunden nicht automatisch verständlich sein. Menschen suchen selten entlang von Organigrammen, Produktdatenbanken oder Zuständigkeiten. Sie suchen entlang ihrer Aufgaben, Fragen und Ziele.
Deshalb gehört die Entwicklung einer sinnvollen Struktur zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen eines Katalogprojekts. Sie bestimmt, wie schnell Informationen gefunden werden, wie verständlich Zusammenhänge erscheinen und wie angenehm die Nutzung des Katalogs erlebt wird.
Im nächsten Kapitel geht es deshalb um die Frage, wie Leser innerhalb dieser Struktur Orientierung finden können. Denn selbst die beste Ordnung entfaltet ihren Wert erst dann, wenn Menschen intuitiv verstehen, wo sie sich befinden und wie sie zu den Informationen gelangen, die sie suchen.
5. Orientierung schaffen: Wie findet der Leser, was er sucht?
Nachdem im vorherigen Kapitel die grundsätzliche Struktur des Katalogs entwickelt wurde, stellt sich nun die nächste entscheidende Frage:
Wie findet sich der Leser innerhalb dieser Struktur zurecht?
Diese Frage klingt zunächst selbstverständlich. Schließlich verfügt nahezu jeder Katalog über ein Inhaltsverzeichnis, Kapitelüberschriften und Seitenzahlen. Dennoch erleben wir immer wieder, dass Leser Schwierigkeiten haben, sich innerhalb umfangreicher Publikationen zu orientieren.
Das Problem liegt dabei selten darin, dass Informationen fehlen. Viel häufiger fehlt eine klare Orientierung. Aus unserer Erfahrung wird dieser Unterschied häufig unterschätzt. Unternehmen investieren viel Energie in Inhalte und Gestaltung, beschäftigen sich aber deutlich seltener mit der Frage, wie Menschen Informationen tatsächlich finden.
Dabei entscheidet genau dieser Aspekt oft darüber, ob ein Katalog als hilfreich oder anstrengend wahrgenommen wird.
Orientierung ist unsichtbar – bis sie fehlt
Interessanterweise gehört Orientierung zu den Dingen, die kaum jemand bewusst wahrnimmt. Wenn ein Katalog gut strukturiert und leicht verständlich aufgebaut ist, denken Leser selten darüber nach. Sie finden Informationen dort, wo sie sie erwarten. Zusammenhänge erscheinen logisch. Der Weg durch die Inhalte wirkt selbstverständlich. Erst wenn Orientierung fehlt, wird ihre Bedeutung sichtbar.
Plötzlich entstehen Fragen.
A – Wo befinde ich mich gerade?
B – Wo finde ich die gesuchte Information?
C – Wie hängen diese Kapitel zusammen?
D – Habe ich etwas übersehen?
E – Muss ich zurückblättern?
F – Muss ich erneut suchen?
Jede dieser Fragen kostet Aufmerksamkeit. Und genau diese Aufmerksamkeit sollte eigentlich den Inhalten gehören. Ein gut gestalteter Katalog reduziert deshalb nicht nur Suchaufwand. Er reduziert mentale Belastung.
Menschen lesen Kataloge selten von vorne bis hinten
Eine Beobachtung begegnet uns in nahezu jedem Projekt. Unternehmen stellen sich häufig vor, dass Leser einen Katalog Seite für Seite durcharbeiten. Tatsächlich geschieht das erstaunlich selten.
Die meisten Menschen lesen selektiv. Sie springen zwischen Themen. Sie überfliegen Inhalte. Sie suchen nach bestimmten Informationen. Sie orientieren sich an Überschriften, Bildern, Hervorhebungen und visuellen Ankern.
Vor allem bei umfangreichen Katalogen ähnelt das Verhalten eher der Nutzung einer Website als dem Lesen eines Buches. Diese Erkenntnis verändert die Anforderungen an die Orientierung erheblich.
Denn plötzlich reicht es nicht mehr aus, Inhalte lediglich in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.
Die Leser müssen jederzeit verstehen können:
A – Wo sie sich befinden
B – Was sie dort erwartet
C – Wie sie zu anderen relevanten Informationen gelangen
Orientierung beginnt nicht beim Inhaltsverzeichnis. Viele Unternehmen betrachten das Inhaltsverzeichnis als zentrales Orientierungselement.
Natürlich spielt es eine wichtige Rolle. Dennoch beginnt Orientierung deutlich früher. Sie beginnt bereits beim ersten Durchblättern. Noch bevor ein Leser bewusst nach Informationen sucht, entstehen erste Eindrücke über die Struktur des Katalogs.
A – Sind Themenbereiche klar voneinander abgegrenzt?
B – Wiederholen sich bestimmte Gestaltungsmuster?
C – Lassen sich Kapitel schnell erkennen?
D – Sind Hierarchien sichtbar?
Je schneller solche Zusammenhänge erfasst werden können, desto leichter fällt die spätere Navigation. Aus unserer Erfahrung entsteht gute Orientierung deshalb nicht an einer einzelnen Stelle. Sie entsteht durch viele kleine Entscheidungen, die gemeinsam ein verständliches System bilden.
Informationshierarchien sichtbar machen
Eine der wichtigsten Aufgaben im Katalogdesign besteht darin, unterschiedliche Ebenen von Informationen sichtbar zu machen.
Nicht alle Inhalte besitzen dieselbe Bedeutung. Manche Informationen dienen der ersten Orientierung. Andere liefern Details. Wieder andere bieten zusätzliche Vertiefungen. Wenn diese Ebenen nicht klar voneinander unterschieden werden, entsteht schnell Unübersichtlichkeit.
Der Leser erkennt dann nicht mehr, was besonders wichtig ist und was lediglich ergänzende Informationen darstellt. Eine gute Informationshierarchie sorgt dafür, dass Inhalte bereits beim Überfliegen richtig eingeordnet werden können. Menschen sollten erkennen können:
A – Was ist das Hauptthema?
B – Welche Informationen sind besonders wichtig?
C - Welche Inhalte können später vertieft werden?
D – Welche Informationen dienen lediglich als Ergänzung?
Je umfangreicher ein Katalog wird, desto wichtiger wird diese Differenzierung.
Warum Wiederholung oft hilfreich ist
Viele Unternehmen versuchen, Wiederholungen möglichst zu vermeiden. Bei Orientierungssystemen gilt häufig das Gegenteil. Menschen profitieren von wiederkehrenden Mustern. Wenn bestimmte Elemente immer an derselben Stelle erscheinen, entsteht Vertrautheit.
Kapitelkennzeichnungen.
Seitennavigation.
Produktinformationen.
Kontaktdaten.
Querverweise.
Wiederkehrende Layoutstrukturen.
All diese Elemente helfen dem Leser dabei, sich schneller zurechtzufinden. Interessanterweise wird Orientierung oft nicht durch neue Informationen verbessert, sondern durch konsequente Wiederholung bestehender Muster.
Farbcodierungen und visuelle Orientierungssysteme
Eine besonders wirkungsvolle Möglichkeit besteht darin, Themenbereiche visuell voneinander zu unterscheiden. Farben können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Richtig eingesetzt helfen sie dabei, Zusammenhänge schneller zu erkennen. Bestimmte Produktgruppen können einer Farbwelt zugeordnet werden.
Kapitel lassen sich visuell kennzeichnen. Orientierungspunkte entstehen bereits beim Durchblättern. abei geht es nicht darum, möglichst viele Farben einzusetzen. Im Gegenteil.
Je einfacher und konsequenter ein System angewendet wird, desto besser funktioniert es. Aus unserer Erfahrung werden viele Farbsysteme zu komplex gedacht. Die besten Lösungen sind oft diejenigen, die bereits nach wenigen Sekunden verstanden werden.
Orientierung über den Seitenrand
Ein Bereich, der erstaunlich häufig ungenutzt bleibt, sind die äußeren Seitenbereiche eines Katalogs. Dabei entstehen gerade dort wertvolle Möglichkeiten zur Navigation.
Griffmarken.
Kapitelregister.
Farbige Seitenkennzeichnungen.
Wiederkehrende Kapitelmarkierungen.
All diese Elemente ermöglichen Orientierung, ohne dass Inhalte gelesen werden müssen.
Der Leser erkennt bereits beim Durchblättern, wo sich bestimmte Themen befinden. Besonders bei umfangreichen Katalogen kann dies die Nutzung erheblich erleichtern.
Querverweise: Leser denken nicht in Kapiteln
Leser folgen selten exakt der vorgesehenen Kapitelstruktur. Sie springen. Sie vergleichen. Sie stellen Zusammenhänge her. Sie wechseln zwischen Themenbereichen.
Deshalb reicht eine lineare Struktur allein oft nicht aus. Gute Kataloge unterstützen solche Bewegungen aktiv. Sie helfen dabei, verwandte Informationen zu entdecken. Sie zeigen Zusammenhänge auf. Sie verweisen auf ergänzende Inhalte. Damit entsteht ein Netzwerk aus Informationen statt einer starren Abfolge von Seiten. Gerade bei komplexen Themen kann dies den Nutzwert erheblich steigern.
Orientierung bedeutet auch Reduktion
Interessanterweise entsteht Orientierung nicht nur durch zusätzliche Hilfsmittel. Oft entsteht sie durch bewusste Vereinfachung. Je mehr Elemente gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren, desto schwieriger wird die Orientierung. Zu viele Hervorhebungen verlieren ihre Wirkung.
Zu viele Farben verwirren. Zu viele Navigationshilfen können selbst zum Problem werden. Deshalb besteht die Kunst guter Orientierung nicht darin, möglichst viele Systeme einzubauen.
Die eigentliche Kunst besteht darin, die wenigen entscheidenden Orientierungspunkte konsequent und verständlich einzusetzen.
Die beste Navigation ist die, die niemand bemerkt
Wenn Leser über einen Katalog sprechen, erwähnen sie selten die Informationsarchitektur.
Sie sprechen über Inhalte. Über Produkte. Über Ideen. Über Erkenntnisse. Und genau darin liegt der Erfolg eines guten Orientierungssystems. Es tritt in den Hintergrund.
Es unterstützt die Nutzung, ohne Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Der Leser beschäftigt sich nicht mit der Frage, wie er Informationen findet. Er findet sie einfach. Genau das sollte das Ziel sein.
Fazit
Je umfangreicher ein Katalog wird, desto wichtiger wird Orientierung.
Denn Inhalte entfalten ihren Wert nur dann, wenn Leser sie schnell finden, richtig einordnen und problemlos wiederentdecken können.
Gute Orientierung entsteht dabei nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel vieler Elemente. Informationshierarchien, visuelle Kennzeichnungen, wiederkehrende Muster, Querverweise und klare Strukturen bilden gemeinsam ein System, das den Leser unterstützt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Aus unserer Erfahrung gehört die Orientierung zu den am häufigsten unterschätzten Erfolgsfaktoren im Katalogdesign. Denn selbst hervorragende Inhalte verlieren an Wirkung, wenn Menschen sie nicht finden.
Im nächsten Kapitel geht es deshalb um die Frage, wie Informationen nicht nur gefunden, sondern auch verstanden werden können. Denn nachdem Inhalte ausgewählt, strukturiert und zugänglich gemacht wurden, entscheidet ihre Aufbereitung darüber, wie leicht Leser Zusammenhänge erfassen und Wissen aufnehmen können.
6. Informationen verständlich machen: Warum gute Kataloge nicht mehr erklären, sondern besser
Nachdem im vorherigen Kapitel die Frage behandelt wurde, wie Leser Informationen finden, geht es nun um einen weiteren entscheidenden Aspekt erfolgreicher Kataloge:
Wie werden Informationen so aufbereitet, dass sie tatsächlich verstanden werden?
Diese Frage gewinnt mit zunehmender Komplexität eines Angebots an Bedeutung. Denn die meisten Unternehmen stehen heute nicht vor dem Problem, zu wenig Informationen zu besitzen. Das eigentliche Problem besteht häufig darin, dass zu viele Informationen gleichzeitig vermittelt werden sollen.
Produkte werden komplexer. Dienstleistungen umfangreicher. Märkte spezialisierter. Gleichzeitig bleibt die Aufmerksamkeit der Leser begrenzt.
Die Folge: Viele Kataloge versuchen, Verständlichkeit durch zusätzliche Informationen zu erzeugen. Es werden weitere Texte ergänzt. Zusätzliche Tabellen eingefügt. Noch mehr Details beschrieben.
Verständlichkeit entsteht nicht dadurch, dass mehr erklärt wird. Verständlichkeit entsteht dadurch, dass Informationen besser organisiert, priorisiert und vermittelt werden.
Wissen ist nicht gleich Wissen
Eine Herausforderung bei der Erstellung von Katalogen besteht darin, dass Unternehmen ihre eigenen Produkte meist sehr gut kennen.
Sie beschäftigen sich täglich mit den gleichen Themen. Fachbegriffe sind selbstverständlich. Zusammenhänge erscheinen logisch. Unterschiede zwischen Produkten sind klar erkennbar.
Ein Leser betritt den Katalog mit einem völlig anderen Wissensstand.
Er kennt möglicherweise weder die Produktgruppen noch die internen Kategorien. Er versteht bestimmte Begriffe nicht. Er kann Zusammenhänge noch nicht einordnen. Dadurch entsteht oft eine Diskrepanz zwischen dem, was Unternehmen erklären möchten, und dem, was Leser tatsächlich verstehen können.
Ein häufiger Fehler besteht deshalb darin, Informationen auf Basis des eigenen Wissens zu strukturieren. Dabei sollte die entscheidende Frage vielmehr lauten: Welches Vorwissen besitzt der Leser? Je ehrlicher diese Frage beantwortet wird, desto verständlicher werden spätere Inhalte.
Die Illusion der Vollständigkeit
Viele Unternehmen verfolgen bei Katalogen ein nachvollziehbares Ziel. Sie möchten möglichst vollständig sein. Schließlich soll der Katalog alle wichtigen Informationen enthalten.
Dieses Ziel führt jedoch häufig zu einem Problem. Vollständigkeit und Verständlichkeit sind nicht immer dasselbe. Je mehr Informationen gleichzeitig präsentiert werden, desto schwieriger wird es für Leser, das Wesentliche zu erkennen.
Aus unserer Erfahrung scheitern viele Kataloge nicht daran, dass Informationen fehlen. Sie scheitern daran, dass relevante Informationen zwischen zahlreichen anderen Informationen verborgen werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Welche Informationen können wir noch ergänzen? Sondern: Welche Informationen benötigt der Leser genau in diesem Moment? Diese Perspektive verändert die Art, wie Inhalte vermittelt werden.
Menschen verstehen Zusammenhänge besser als Einzelinformationen
Wenn Informationen isoliert präsentiert werden, müssen Leser die Zusammenhänge selbst herstellen. Das kostet Energie. Deutlich einfacher wird die Informationsaufnahme, wenn Zusammenhänge sichtbar gemacht werden. Deshalb sind gute Kataloge selten reine Informationssammlungen.
Sie helfen dem Leser dabei, Informationen einzuordnen.
A – Warum ist dieses Produkt relevant?
B – Wann wird diese Lösung eingesetzt?
C – Welche Unterschiede bestehen?
D – Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
E – Welche Entscheidungshilfe bietet die Information?
Menschen lernen und verstehen nicht über einzelne Fakten. Sie verstehen über Beziehungen zwischen Fakten. Genau deshalb sind Kontext und Einordnung oft wichtiger als zusätzliche Details.
Die Kraft guter Vergleiche
Besonders bei umfangreichen Produktportfolios begegnet uns immer wieder dieselbe Herausforderung.
Produkte unterscheiden sich. Oft sogar erheblich. Für Unternehmen sind diese Unterschiede selbstverständlich. Für Kunden sind sie häufig schwer erkennbar.
Hier können Vergleiche eine enorme Hilfe sein. Ein guter Vergleich beantwortet Fragen wie:
A – Welche Lösung eignet sich für welchen Anwendungsfall?
B – Wo liegen die wichtigsten Unterschiede?
C – Welche Variante passt zu welcher Situation?
D – Welche Eigenschaften sind entscheidungsrelevant?
Dadurch entsteht Verständnis.
Tabellen sind mächtiger als viele Unternehmen denken
Wenn über Kataloggestaltung gesprochen wird, denken viele zunächst an Bilder, Farben oder Layouts. Dabei gehören Tabellen oft zu den wirksamsten Werkzeugen überhaupt. Allerdings nur dann, wenn sie sorgfältig aufgebaut werden. Eine gute Tabelle reduziert Komplexität.
Sie macht Unterschiede sichtbar. Sie schafft Vergleichbarkeit. ie hilft Lesern dabei, Muster zu erkennen.
Jede Tabelle sollte dieselbe Frage beantworten wie jeder andere Inhalt: Welche Entscheidung soll sie erleichtern? Wenn diese Frage klar beantwortet werden kann, entsteht meist auch eine deutlich verständlichere Darstellung.
Geschichten bleiben länger im Gedächtnis
Ein Aspekt wird im B2B-Bereich häufig unterschätzt: Menschen erinnern sich selten an Daten. Sie erinnern sich an Zusammenhänge. Deshalb kann Storytelling selbst in technischen oder erklärungsbedürftigen Katalogen eine wichtige Rolle spielen.
Dabei geht es nicht darum, Inhalte künstlich zu emotionalisieren. Es geht vielmehr darum, Informationen in einen nachvollziehbaren Kontext zu setzen.
Ein Praxisbeispiel. Eine Anwendungssituation. Eine typische Herausforderung. Ein Kundenprojekt. Eine konkrete Problemstellung. Solche Geschichten helfen dabei, abstrakte Informationen greifbar zu machen.
Der Leser versteht nicht nur, was ein Produkt kann. Er versteht, warum es relevant ist. Was kann zusammengefasst werden? Je umfangreicher ein Katalog wird, desto häufiger stellt sich eine wichtige Frage: Muss wirklich jede Information einzeln dargestellt werden?
Aus unserer Erfahrung lautet die Antwort überraschend oft: nein. Viele Inhalte lassen sich bündeln. Produktvarianten können zusammengefasst werden. Ähnliche Eigenschaften müssen nicht mehrfach erklärt werden. Wiederkehrende Informationen können zentral dargestellt werden.
Dadurch entstehen mehrere Vorteile gleichzeitig. Der Katalog wird übersichtlicher. Die Informationsmenge sinkt. Zusammenhänge werden deutlicher. Und Leser müssen weniger Energie investieren, um Muster zu erkennen. Interessanterweise entsteht Verständlichkeit häufig nicht durch zusätzliche Inhalte, sondern durch bessere Verdichtung.
Leser möchten Entscheidungen treffen
Eine Beobachtung, die sich durch viele Projekte zieht: Leser konsumieren Informationen selten aus reinem Interesse.
In den meisten Fällen möchten sie eine Entscheidung treffen. Vielleicht möchten sie ein Produkt auswählen. Einen Anbieter bewerten. Eine Investition vorbereiten. Eine Lösung vergleichen. Ein Problem lösen.
Diese Perspektive verändert die Anforderungen an Inhalte grundlegend. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Informationsvermittlung. s geht um Entscheidungsunterstützung. Deshalb sollten Unternehmen überlegen:
A – Welche Entscheidungen treffen Leser auf Basis dieses Katalogs?
B – Welche Informationen benötigen sie dafür?
C – Welche Unsicherheiten müssen reduziert werden?
D – Welche Fragen sollten beantwortet werden?
Je besser ein Katalog solche Entscheidungsprozesse unterstützt, desto größer wird sein praktischer Nutzen.
Gute Verständlichkeit spart nicht nur Zeit
Viele Unternehmen betrachten Verständlichkeit vor allem als Service für den Leser. Tatsächlich profitieren auch Unternehmen selbst davon. Wenn Informationen leichter verständlich werden, entstehen weniger Rückfragen.
Beratungsgespräche werden effizienter. Bertriebsgespräche können gezielter geführt werden. Missverständnisse nehmen ab. Entscheidungen werden schneller getroffen. Deshalb sollte Verständlichkeit nicht als gestalterisches Detail betrachtet werden. Sie besitzt direkten Einfluss auf die Wirksamkeit des gesamten Katalogs.
Fazit
Informationen allein schaffen noch kein Verständnis. Erst durch Struktur, Kontext, Vergleichbarkeit und Einordnung entstehen Inhalte, die Leser tatsächlich erfassen und nutzen können.
Aus unserer Erfahrung liegt eine der größten Stärken erfolgreicher Kataloge deshalb nicht darin, möglichst viel Wissen zu vermitteln. Ihre Stärke liegt darin, komplexe Themen verständlich zu machen.
Sie helfen Menschen dabei, Zusammenhänge zu erkennen, Unterschiede zu verstehen und Entscheidungen zu treffen. Genau darin unterscheidet sich ein hilfreicher Katalog von einer bloßen Sammlung von Informationen.
Im nächsten Kapitel geht es deshalb um einen weiteren zentralen Baustein erfolgreicher Printmedien: die Informationshierarchie. Denn selbst verständliche Inhalte müssen priorisiert werden. Leser müssen erkennen können, was wichtig ist, was Orientierung bietet und welche Informationen lediglich ergänzend gedacht sind. Nur dann entsteht ein Katalog, der nicht nur verstanden, sondern auch effizient genutzt werden kann.
7. Informationshierarchie: Wie Leser erkennen, was wichtig ist
Eines der größten Missverständnisse im Katalogdesign besteht in der Annahme, dass alle Informationen gleich behandelt werden sollten.
Auf den ersten Blick wirkt dieser Gedanke nachvollziehbar. Schließlich wurden sämtliche Inhalte sorgfältig ausgewählt. Jedes Produkt, jede Leistung, jede Tabelle und jeder Text hat seinen Platz im Katalog verdient. Warum sollte also eine Information wichtiger sein als eine andere?
Die Realität der Nutzung sieht jedoch anders aus.
Menschen nehmen Informationen nicht gleichzeitig wahr. Sie lesen nicht jede Zeile mit derselben Aufmerksamkeit. Sie betrachten nicht jede Seite gleich intensiv. Stattdessen treffen sie innerhalb von Sekunden unzählige Entscheidungen darüber, welche Inhalte relevant erscheinen und welche zunächst ignoriert werden.
Genau deshalb gehört die Informationshierarchie zu den wichtigsten Werkzeugen im Katalogdesign.
Sie hilft Lesern dabei, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Sie schafft Orientierung. Sie reduziert Suchaufwand. Und sie sorgt dafür, dass Informationen in der richtigen Reihenfolge wahrgenommen werden.
Aus unserer Erfahrung werden viele Probleme in Katalogen nicht durch schlechte Inhalte verursacht. Sie entstehen, weil gute Inhalte keine erkennbare Hierarchie besitzen.
Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig
Unternehmen möchten möglichst viele Botschaften transportieren. Produkte sollen sichtbar werden. Dienstleistungen erklärt. Unternehmenswerte kommuniziert. Technische Vorteile hervorgehoben. Referenzen präsentiert. Qualitätsmerkmale dargestellt.
Jeder Bereich besitzt nachvollziehbare Argumente dafür, warum seine Inhalte besonders wichtig sind. Das Ergebnis ist oft ein Katalog, in dem alles Aufmerksamkeit fordert.
Große Überschriften konkurrieren mit großen Bildern. Zahlreiche Hervorhebungen kämpfen um Wahrnehmung. Farben, Icons, Kästen und Grafiken versuchen gleichzeitig, die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zu ziehen.
Paradoxerweise führt genau das dazu, dass wichtige Inhalte an Wirkung verlieren.
Denn Aufmerksamkeit ist begrenzt. Eine Informationshierarchie funktioniert deshalb ähnlich wie ein Gespräch. Wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen, wird keine Botschaft wirklich verstanden. Erst wenn klar ist, wer gerade das Wort hat, entsteht Verständlichkeit. Dasselbe gilt für Seitenlayouts.
Menschen scannen, bevor sie lesen
Eine wichtige Erkenntnis aus der Nutzerforschung lautet: Menschen lesen selten sofort. Zunächst scannen sie.
Sie verschaffen sich einen Überblick. Sie suchen nach Orientierungspunkten. Sie prüfen, ob eine Seite relevant erscheint. Erst danach entscheiden sie, ob sie tiefer einsteigen möchten.
Dieses Verhalten begegnet uns nicht nur auf Websites, sondern ebenso in Broschüren und Katalogen. Wer einen Katalog aufschlägt, betrachtet zunächst Überschriften, Bilder, Hervorhebungen und Strukturen. Innerhalb weniger Sekunden entsteht ein erster Eindruck darüber, worum es auf der Seite geht. Genau hier beginnt die Informationshierarchie.
Sie entscheidet darüber, welche Inhalte zuerst wahrgenommen werden. Welche Aussagen sofort ins Auge fallen. Welche Informationen als vertiefende Inhalte erkannt werden. Und welche Details erst später betrachtet werden.
Eine gute Hierarchie führt Leser Schritt für Schritt durch die Inhalte. Die Frage, die jede Seite beantworten sollte
Bei der Entwicklung von Katalogseiten stellen wir häufig eine einfache Frage:
Was soll der Leser als Erstes wahrnehmen? Erstaunlicherweise fällt die Antwort oft schwer. Dabei ist genau diese Frage entscheidend. Jede Seite besitzt einen Schwerpunkt.
Eine zentrale Aussage. Eine Hauptinformation. Ein Kernthema.
Wenn dieser Schwerpunkt nicht klar erkennbar ist, müssen Leser selbst entscheiden, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten. Das erhöht den Aufwand und reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die wichtigsten Inhalte tatsächlich wahrgenommen werden.
Eine gute Informationshierarchie beginnt deshalb mit Priorisierung. Nicht alles kann an erster Stelle stehen.
Hauptinformationen und Nebeninformationen
In vielen Katalogen entsteht das Problem nicht durch zu viele Inhalte, sondern durch fehlende Abstufungen zwischen den Inhalten. Dabei lässt sich nahezu jede Information einer bestimmten Ebene zuordnen.
Es gibt Inhalte, die für das Verständnis unverzichtbar sind. Andere liefern zusätzliche Orientierung.
Wieder andere bieten Details für Leser, die tiefer einsteigen möchten. Diese Ebenen sollten erkennbar sein. Nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell.
Leser müssen verstehen können:
A – Was ist die Kernbotschaft?
B – Welche Informationen unterstützen diese Botschaft?
C – Welche Inhalte dienen der Vertiefung?
Je klarer diese Unterschiede sichtbar werden, desto leichter fällt die Orientierung.
Warum gute Überschriften so wichtig sind
Viele Leser unterschätzen die Bedeutung von Überschriften. Viele Unternehmen ebenfalls.
Dabei gehören Überschriften zu den wichtigsten Orientierungselementen eines Katalogs.
Sie strukturieren Inhalte. Sie schaffen Erwartungen. Sie helfen beim Wiederfinden von Informationen. Und sie ermöglichen das schnelle Erfassen von Themen.
Eine gute Überschrift ersetzt nicht den eigentlichen Inhalt. Sie bereitet ihn vor. Sie beantwortet die Frage: Warum sollte ich diesen Abschnitt lesen? Gerade in umfangreichen Katalogen entscheiden Überschriften oft darüber, ob Inhalte überhaupt wahrgenommen werden.
Die Rolle von Bildern in der Informationshierarchie
Bilder werden häufig vor allem als gestalterisches Element betrachtet. Tatsächlich besitzen sie eine viel größere Wirkung. Bilder erzeugen Aufmerksamkeit. Sie beeinflussen Blickverläufe. Sie lenken den Fokus.
Sie vermitteln Informationen schneller als viele Texte. Deshalb sollten Bilder nicht nur danach ausgewählt werden, ob sie attraktiv aussehen.
Die wichtigere Frage lautet:
A – Welche Rolle spielen sie innerhalb der Informationshierarchie?
B – Unterstützen sie die zentrale Aussage?
C – Lenken sie Aufmerksamkeit auf relevante Inhalte?
D – Oder konkurrieren sie mit den eigentlichen Informationen?
Ein beeindruckendes Bild kann eine Seite aufwerten. Es kann aber ebenso von den wichtigen Inhalten ablenken. Die Balance entscheidet. Weniger Hervorhebungen erzeugen oft mehr Wirkung
Sobald Inhalte wichtig erscheinen, werden sie hervorgehoben. Dann werden weitere Inhalte ebenfalls hervorgehoben. Später kommen zusätzliche Markierungen hinzu. Irgendwann besteht die Seite aus zahlreichen Kästen, Farben, Icons und visuellen Akzenten.
Die Absicht dahinter ist nachvollziehbar. Die Wirkung häufig nicht. Denn Hervorhebungen funktionieren nur durch Unterschiede. Wenn alles hervorgehoben wird, verliert die Hervorhebung ihre Bedeutung. Deshalb entsteht eine starke Informationshierarchie oft durch Zurückhaltung.
Nicht jede Information benötigt besondere Aufmerksamkeit. Manche Inhalte dürfen bewusst in den Hintergrund treten. Gerade dadurch gewinnen die wirklich wichtigen Inhalte an Wirkung.
Informationshierarchie über mehrere Seiten hinweg
Informationshierarchien entstehen nicht nur auf einzelnen Seiten. Sie wirken über den gesamten Katalog hinweg. Ein Leser sollte erkennen können:
A – Welche Themen stehen im Mittelpunkt?
B – Welche Bereiche besitzen besondere Relevanz?
C – Welche Inhalte dienen der Orientierung?
D – Welche Informationen sind eher ergänzend?
Deshalb lohnt es sich, nicht nur einzelne Seiten zu betrachten, sondern den gesamten Katalog als zusammenhängendes System.
A – Welche Kapitel erhalten besonders viel Raum?
B – Welche Inhalte erscheinen früh?
C – Welche Themen werden vertieft?
D – Welche Bereiche werden bewusst kompakt gehalten?
Solche Entscheidungen kommunizieren ebenfalls Prioritäten.Oft sogar stärker als einzelne Gestaltungselemente.
Die Verbindung zur Unternehmensstrategie
Ein Aspekt wird häufig übersehen: Informationshierarchien sind nicht nur Designentscheidungen. Sie sind strategische Entscheidungen. Denn jede Hierarchie beantwortet implizit die Frage: Was ist uns besonders wichtig?
Produkte, die prominent dargestellt werden. Leistungen, die viel Raum erhalten. Themen, die wiederholt aufgegriffen werden. All diese Entscheidungen senden Signale.
Deshalb sollte die Informationshierarchie immer mit den Zielen des Unternehmens übereinstimmen. Wer Wachstum in einem bestimmten Bereich anstrebt, sollte dies auch in der Priorisierung seiner Inhalte sichtbar machen.
Wer sich über Beratung statt über Produkte differenzieren möchte, sollte dies ebenfalls kommunizieren. Die Hierarchie macht sichtbar, worauf ein Unternehmen seinen Fokus legt.
Gute Hierarchien reduzieren Entscheidungen
Vielleicht besteht genau darin die größte Stärke einer guten Informationshierarchie. Sie nimmt Lesern Arbeit ab. Sie reduziert Unsicherheit. Sie beantwortet Fragen, bevor sie entstehen. Der Leser muss nicht überlegen, wo er beginnen soll. Er muss nicht entscheiden, welche Informationen zuerst wichtig sind.
Die Hierarchie übernimmt diese Aufgabe. Dadurch entsteht ein Nutzungserlebnis, das sich einfacher, klarer und angenehmer anfühlt. Und genau das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte tatsächlich gelesen und verstanden werden.
Informationshierarchien gehören zu den wichtigsten, aber oft am wenigsten sichtbaren Bestandteilen eines erfolgreichen Katalogs.
Sie helfen Lesern dabei, Inhalte zu priorisieren, Zusammenhänge zu erkennen und sich auf die wesentlichen Informationen zu konzentrieren. Statt Aufmerksamkeit dem Zufall zu überlassen, lenken sie den Blick gezielt durch die Inhalte.
Aus unserer Erfahrung entstehen die besten Kataloge nicht dadurch, dass möglichst viele Informationen präsentiert werden. Sie entstehen dadurch, dass klar wird, welche Informationen in welchem Moment wichtig sind.
Denn Verständlichkeit bedeutet nicht nur, Informationen zugänglich zu machen. Verständlichkeit bedeutet auch, Menschen dabei zu helfen, ihre Aufmerksamkeit sinnvoll einzusetzen.
Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns deshalb mit einem Thema, das eng mit der Informationshierarchie verbunden ist: dem Storytelling. Denn obwohl Kataloge häufig als Informationsmedien verstanden werden, entscheiden oft Geschichten, Beispiele und konkrete Anwendungsfälle darüber, welche Inhalte im Gedächtnis bleiben und welche wieder vergessen werden.
8. Storytelling im Katalog: Warum Menschen Geschichten besser verstehen als Informationen
Wenn über Kataloge gesprochen wird, stehen häufig Fakten im Mittelpunkt. Produkteigenschaften, technische Daten, Leistungsmerkmale, Referenzen oder Unternehmensinformationen. Schließlich soll ein Katalog informieren. Er soll Wissen vermitteln. Er soll Produkte und Leistungen möglichst präzise darstellen.
All das ist richtig. Gleichzeitig beobachten wir in vielen Projekten eine interessante Diskrepanz. Menschen erinnern sich oft nicht an die Informationen, die Unternehmen für besonders wichtig halten.
Sie erinnern sich an Beispiele. An konkrete Situationen. An Anwendungen. An Probleme und deren Lösungen. Kurz gesagt: Sie erinnern sich an Geschichten.
Das bedeutet nicht, dass Kataloge zu Romanen werden sollten. Es bedeutet auch nicht, dass Fakten an Bedeutung verlieren. Vielmehr geht es darum zu verstehen, wie Menschen Informationen aufnehmen und verarbeiten.
Aus unserer Erfahrung werden viele Kataloge deutlich verständlicher, wenn sie Informationen nicht nur präsentieren, sondern in einen nachvollziehbaren Kontext einordnen.
Denn selten interessiert ein Produkt ausschließlich aufgrund seiner Eigenschaften. Interessant wird es meist erst dann, wenn sichtbar wird, welche Aufgabe es erfüllt und welchen Nutzen es im Alltag stiftet.
Informationen beantworten Fragen – Geschichten schaffen Verständnis
Ein technisches Datenblatt kann erklären, welche Eigenschaften ein Produkt besitzt. Eine Tabelle kann Unterschiede sichtbar machen. Eine Leistungsübersicht kann Funktionen beschreiben. All diese Informationen sind wichtig.
Dennoch bleibt oft eine entscheidende Frage unbeantwortet: Warum ist das relevant? Genau hier beginnt die Stärke von Storytelling. Geschichten schaffen Zusammenhänge. Sie verbinden Informationen mit Situationen. Sie zeigen nicht nur, was etwas ist, sondern warum es eine Rolle spielt. Ein Leser versteht dadurch nicht nur einzelne Fakten, sondern deren Bedeutung.
Aus diesem Grund begegnen uns in erfolgreichen Katalogen häufig Praxisbeispiele, Anwendungsfälle oder Projektgeschichten. Sie helfen dabei, abstrakte Informationen in etwas Greifbares zu übersetzen.
Menschen denken in Problemen, nicht in Produkten
Eine Beobachtung zieht sich durch viele Branchen. Unternehmen denken oft in Produkten. Kunden denken häufig in Problemen. Ein Unternehmen verkauft beispielsweise Maschinen, Software, Möbel, Medizintechnik oder Dienstleistungen. Der Kunde sucht dagegen nach einer Lösung für eine konkrete Herausforderung.
Er möchte Prozesse verbessern. Zeit sparen. Kosten reduzieren. icherheit erhöhen. Orientierung gewinnen. Wenn Kataloge ausschließlich Produkte beschreiben, bleibt diese Perspektive oft unberücksichtigt.
Storytelling hilft dabei, genau diese Lücke zu schließen. Plötzlich steht nicht mehr nur das Produkt im Mittelpunkt, sondern die Situation, in der das Produkt relevant wird.
Dadurch entsteht ein deutlich stärkerer Bezug zur Lebensrealität des Lesers.
Die Kraft konkreter Situationen
Eine der einfachsten Formen von Storytelling besteht darin, Informationen in konkrete Situationen einzubetten.
Anstatt lediglich Funktionen aufzuzählen, kann beschrieben werden, unter welchen Bedingungen eine Lösung eingesetzt wird.
A – Welche Herausforderung bestand?
B – Welche Anforderungen mussten erfüllt werden?
C – Welche Besonderheiten spielten eine Rolle?
D – Welche Lösung wurde gewählt?
Selbst kurze Szenarien können dabei helfen, Informationen besser einzuordnen. Interessanterweise benötigt gutes Storytelling oft deutlich weniger Raum, als viele Unternehmen vermuten. Bereits wenige Sätze können ausreichen, um einer Information Kontext zu verleihen. Der Leser erhält dadurch einen Anknüpfungspunkt, an dem neues Wissen leichter eingeordnet werden kann.
Praxisbeispiele schaffen Glaubwürdigkeit
Besonders im B2B-Bereich besitzen Praxisbeispiele eine enorme Wirkung. Sie zeigen, dass Lösungen nicht nur theoretisch funktionieren. Sie belegen, dass bestimmte Herausforderungen bereits erfolgreich bewältigt wurden. Dadurch entsteht Vertrauen. Gleichzeitig helfen Praxisbeispiele dabei, komplexe Informationen verständlicher zu machen.
Ein Leser muss sich nicht mehr vorstellen, wie eine Lösung eingesetzt werden könnte. Er sieht ein konkretes Beispiel. Er erkennt Zusammenhänge. Er kann die Situation mit seiner eigenen vergleichen. Genau deshalb gehören Fallstudien und Anwendungsberichte zu den wirkungsvollsten Formen des Storytellings in Katalogen.
Gute Geschichten stellen den Leser in den Mittelpunkt
Ein häufiger Fehler besteht darin, Storytelling mit Unternehmensgeschichten gleichzusetzen. Natürlich kann die Geschichte eines Unternehmens interessant sein. Für viele Leser besitzt sie jedoch eine geringere Relevanz als ihre eigenen Herausforderungen.
Deshalb funktionieren Geschichten besonders gut, wenn der Leser sich darin wiederfinden kann.
A – Welche Situation kennt er?
B – Welche Probleme erlebt er?
C – Welche Fragen beschäftigen ihn?
Je näher eine Geschichte an diesen Erfahrungen liegt, desto stärker wird ihre Wirkung. Der Leser erkennt sich selbst in der beschriebenen Situation wieder. Dadurch entsteht Aufmerksamkeit und Interesse.
Storytelling hilft bei komplexen Produkten
Je erklärungsbedürftiger ein Angebot wird, desto wertvoller kann Storytelling werden. Technische Daten allein reichen oft nicht aus, um komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen.
Dasselbe gilt für Dienstleistungen oder Beratungsangebote. Hier hilft die Darstellung konkreter Abläufe.
Wie läuft ein Projekt ab?
Welche Schritte sind erforderlich?
Welche Ergebnisse entstehen?
Welche Herausforderungen treten typischerweise auf?
Solche Geschichten schaffen Orientierung. Sie reduzieren Unsicherheit. Und sie helfen Lesern dabei, abstrakte Leistungen besser zu verstehen.
Geschichten strukturieren Informationen
Ein oft übersehener Vorteil von Storytelling besteht darin, dass Geschichten Informationen strukturieren. Menschen merken sich Inhalte leichter, wenn sie einer nachvollziehbaren Logik folgen.
Eine Geschichte besitzt meist einen Ausgangspunkt. Es gibt eine Herausforderung. Es entsteht eine Entwicklung. Am Ende steht eine Lösung oder Erkenntnis. Diese Struktur erleichtert das Verstehen. Sie führt Leser durch komplexe Informationen, ohne dass diese als reine Datensammlung erscheinen. Deshalb kann Storytelling selbst dort sinnvoll sein, wo Emotionen kaum eine Rolle spielen.
Storytelling bedeutet nicht weniger Fakten
Manche Unternehmen befürchten, dass Geschichten auf Kosten von Sachlichkeit gehen. In der Praxis zeigt sich meist das Gegenteil. Die stärksten Kataloge kombinieren Fakten und Geschichten. Sie liefern belastbare Informationen. Gleichzeitig schaffen sie Kontext. Dadurch entstehen Inhalte, die sowohl rational überzeugen als auch leichter verständlich sind.
Ein Leser muss sich nicht zwischen Daten und Verständnis entscheiden. Er erhält beides. Genau diese Kombination macht Informationen besonders wertvoll.
Wo Storytelling im Katalog eingesetzt werden kann
Viele Unternehmen denken bei Storytelling zunächst an umfangreiche Referenzberichte. Tatsächlich gibt es deutlich mehr Möglichkeiten. Storytelling kann auf unterschiedlichsten Ebenen stattfinden.
In Produktbeschreibungen.
In Einleitungen zu Kapiteln.
In Kundenbeispielen.
In Projektgeschichten.
In der Darstellung von Prozessen.
In Entscheidungsleitfäden.
Sogar in der Art und Weise, wie ein Katalog insgesamt aufgebaut wird.
Die entscheidende Frage lautet, welche Informationen durch Geschichten verständlicher werden.
Die Grenze des Storytellings
Wie jedes Werkzeug besitzt auch Storytelling Grenzen. Nicht jede Information benötigt eine Geschichte. Nicht jeder Inhalt muss emotional aufgeladen werden. Manche Informationen sollten bewusst direkt und sachlich vermittelt werden.
Technische Daten. Produktvergleiche. Preisübersichten. Normen und Spezifikationen.
Hier steht häufig die schnelle Informationsaufnahme im Vordergrund. Storytelling sollte deshalb nicht als Ersatz für Informationen verstanden werden. Es ergänzt Informationen dort, wo Kontext und Verständnis wichtig werden.
Fazit
Menschen erinnern sich selten an einzelne Fakten. Sie erinnern sich an Zusammenhänge.
Genau deshalb kann Storytelling eine wertvolle Rolle im Katalogdesign spielen. Es hilft dabei, Informationen einzuordnen, Anwendungen greifbar zu machen und komplexe Inhalte verständlicher zu vermitteln.
Dabei geht es nicht um Unterhaltung oder künstliche Emotionalisierung. Es geht darum, Informationen in einen Kontext zu setzen, den Leser nachvollziehen können.
Aus unserer Erfahrung entstehen die stärksten Kataloge dort, wo Fakten und Geschichten zusammenarbeiten. Die Fakten liefern die Grundlage für Entscheidungen. Die Geschichten helfen dabei, ihre Bedeutung zu verstehen.
Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns deshalb mit einem weiteren Werkzeug, das Orientierung und Verständnis unterstützt: Tabellen, Vergleiche und visuelle Informationsdarstellung. Denn gerade bei umfangreichen Produktportfolios entscheidet die Art der Darstellung häufig darüber, ob Informationen als hilfreich oder als überwältigend wahrgenommen werden.
9. Tabellen, Vergleiche und visuelle Informationsdarstellung: Wie Komplexität verständlich wird
Sobald ein Katalog eine gewisse Größe erreicht, entsteht nahezu zwangsläufig dieselbe Herausforderung: Die Menge an Informationen wächst schneller als die Aufmerksamkeit der Leser.
Neue Produkte kommen hinzu. Varianten werden ergänzt. Technische Daten werden umfangreicher. Dienstleistungen differenzierter. Gleichzeitig steigt die Zahl der Informationen, die miteinander verglichen werden müssen.
Viele Unternehmen reagieren darauf, indem sie zusätzliche Seiten erstellen. Mehr Texte schreiben. Weitere Erklärungen ergänzen.
Aus unserer Erfahrung löst dies das eigentliche Problem jedoch selten.
Denn die Schwierigkeit besteht häufig nicht darin, dass Informationen fehlen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass Menschen Informationen nicht schnell genug erfassen und miteinander vergleichen können.
Genau an diesem Punkt gewinnen Tabellen, Vergleichssysteme und visuelle Informationsdarstellungen an Bedeutung. Sie gehören zu den wirkungsvollsten Werkzeugen im Katalogdesign – und gleichzeitig zu den am häufigsten unterschätzten.
Denn richtig eingesetzt können sie Informationen verständlicher machen als mehrere Seiten Fließtext.
Warum unser Gehirn Muster sucht
Wenn Menschen mit großen Informationsmengen konfrontiert werden, versuchen sie automatisch, Muster zu erkennen. Wir vergleichen. Wir gruppieren. Wir suchen Unterschiede. Wir identifizieren Gemeinsamkeiten.
Dieser Prozess geschieht weitgehend unbewusst. Genau deshalb fällt es uns oft leichter, Informationen in einer gut strukturierten Tabelle zu erfassen als in langen Textabschnitten. Eine Tabelle macht Zusammenhänge sichtbar. Ein Diagramm zeigt Entwicklungen.
Eine Vergleichsgrafik verdeutlicht Unterschiede. Visuelle Darstellungen helfen dem Gehirn dabei, Informationen schneller zu verarbeiten. Das bedeutet nicht, dass Texte unwichtig werden. Es bedeutet lediglich, dass manche Informationen besser in einer anderen Form vermittelt werden können.
Wann Fließtext an seine Grenzen stößt
Texte eignen sich hervorragend, um Zusammenhänge zu erklären. Sie schaffen Kontext. Sie vermitteln Hintergründe. Sie helfen dabei, komplexe Themen einzuordnen.
Schwieriger wird es jedoch, wenn mehrere Informationen direkt miteinander verglichen werden sollen. Stellen Sie sich vor, ein Leser möchte fünf Produkte miteinander vergleichen. Wenn sämtliche Unterschiede ausschließlich in Fließtexten beschrieben werden, entsteht schnell ein Problem.
Der Leser muss Informationen aus verschiedenen Abschnitten sammeln. Er muss sie im Kopf speichern. Er muss Unterschiede selbst herausarbeiten. Je mehr Varianten existieren, desto schwieriger wird dieser Prozess.
Genau hier entstehen häufig unnötige Hürden. Denn die eigentliche Aufgabe eines Katalogs besteht nicht darin, Informationen bereitzustellen. Seine Aufgabe besteht darin, Informationen nutzbar zu machen.
Die unterschätzte Stärke guter Tabellen
Kaum ein Gestaltungselement wird so häufig unterschätzt wie die Tabelle. Viele Menschen verbinden Tabellen mit trockenen Daten. Mit Zahlenkolonnen. Mit technischen Informationen.
Dabei können gut gestaltete Tabellen außerordentlich hilfreich sein. Sie schaffen Ordnung. Sie reduzieren Suchaufwand. Sie erleichtern Vergleiche.
Und sie machen Unterschiede sichtbar, die in Fließtexten leicht übersehen würden.
Besonders bei umfangreichen Produktportfolios gehören Tabellen oft zu den wichtigsten Orientierungshilfen überhaupt.
Allerdings gilt auch hier: Nicht jede Tabelle erfüllt ihre Aufgabe automatisch.
Die häufigsten Fehler bei Tabellen
Ein interessantes Phänomen begegnet uns regelmäßig. Tabellen wachsen über Jahre hinweg. Immer neue Informationen werden ergänzt. Weitere Spalten kommen hinzu. Zusätzliche Merkmale werden aufgenommen. Neue Produktvarianten erweitern die Übersicht.
Irgendwann entsteht eine Tabelle, die zwar vollständig ist, aber kaum noch Orientierung bietet. >Der Leser sieht viele Daten. Doch er erkennt nicht mehr, welche Informationen tatsächlich relevant sind. Genau deshalb sollte jede Tabelle mit einer grundlegenden Frage beginnen: Welche Entscheidung soll diese Tabelle erleichtern?
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lässt sich beurteilen, welche Informationen wirklich notwendig sind. Denn Vollständigkeit allein schafft noch keine Verständlichkeit.
Vergleichbarkeit ist oft wichtiger als Vollständigkeit
Viele Unternehmen versuchen, möglichst alle verfügbaren Informationen abzubilden. Das ist nachvollziehbar. Schließlich soll der Katalog umfassend informieren.
Für Leser ist jedoch häufig etwas anderes wichtiger: Vergleichbarkeit. Sie möchten Unterschiede erkennen.Varianten verstehen. Entscheidungen treffen.
Dafür benötigen sie nicht zwangsläufig jede verfügbare Information. Sie benötigen die richtigen Informationen. Ein übersichtlicher Vergleich von fünf relevanten Merkmalen kann oft hilfreicher sein als eine Tabelle mit zwanzig Spalten. Die Kunst besteht darin, die Informationen auszuwählen, die für Entscheidungen tatsächlich relevant sind.
Visuelle Hierarchien innerhalb von Tabellen
Auch Tabellen benötigen eine Informationshierarchie. Ein Fehler vieler Übersichten besteht darin, sämtliche Informationen gleich zu behandeln.
Dadurch entsteht eine visuelle Gleichförmigkeit. Alles wirkt gleich wichtig. Nichts sticht hervor. Der Leser muss die relevanten Informationen selbst identifizieren. Besser ist es, wenn Tabellen bereits Orientierung bieten.
Wichtige Unterschiede sollten schneller erkennbar sein als weniger relevante Details. Häufig gesuchte Informationen sollten leichter auffindbar sein. Wiederkehrende Muster sollten sichtbar werden. Dadurch wird die Tabelle nicht nur zu einer Datensammlung, sondern zu einem echten Werkzeug für Entscheidungen.
Diagramme und Infografiken: Wenn Zahlen Geschichten erzählen
Manche Informationen lassen sich noch einfacher vermitteln. Nicht jede Entwicklung benötigt einen langen Erklärungstext.
Diagramme und Infografiken können dabei helfen, Zusammenhänge sichtbar zu machen. Sie eignen sich besonders dann, wenn Entwicklungen, Verhältnisse oder Prozesse dargestellt werden sollen. Menschen erkennen visuelle Muster oft deutlich schneller als textliche Beschreibungen.
Eine gut gestaltete Grafik kann Informationen transportieren, für deren Erklärung sonst mehrere Absätze notwendig wären. Gerade bei komplexen Themen lohnt sich deshalb die Frage: Kann diese Information visuell verständlicher dargestellt werden?
Informationsgrafiken als Orientierungshilfe
Neben klassischen Diagrammen können auch einfache Informationsgrafiken einen erheblichen Mehrwert bieten.
Prozessdarstellungen.
Entscheidungsbäume.
Anwendungsübersichten.
Produktwelten.
ystemdarstellungen.
Solche Grafiken helfen Lesern dabei, Zusammenhänge zu verstehen. Sie bieten Orientierung. Sie schaffen einen Überblick. Und sie erleichtern den Einstieg in komplexe Themenbereiche. Besonders in umfangreichen Katalogen können sie dazu beitragen, die Informationslast deutlich zu reduzieren.
Gute Visualisierung bedeutet Vereinfachung
Die besten Visualisierungen zeichnen sich durch Reduktion aus. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche. Sie machen Muster sichtbar. Sie vermeiden unnötige Komplexität. Eine Grafik sollte nicht dieselbe Informationsmenge transportieren wie fünf Seiten Text. Ihre Aufgabe besteht darin, die entscheidenden Zusammenhänge sichtbar zu machen. Genau dadurch entsteht ihr Wert.
Tabellen und Grafiken ersetzen keine Inhalte
Trotz aller Vorteile sollte eines nicht vergessen werden. Visuelle Darstellungen sind Werkzeuge. Sie ersetzen keine inhaltliche Qualität. Eine schlechte Struktur wird nicht durch eine Tabelle besser.
Unklare Produkte werden nicht durch eine Infografik verständlicher. Fehlende Informationen lassen sich nicht durch Design kompensieren. Deshalb sollten Tabellen, Vergleiche und Grafiken immer als Ergänzung verstanden werden.
Sie helfen dabei, Informationen zugänglicher zu machen. Die eigentliche Grundlage bleibt jedoch die Qualität der Inhalte.
Der Blick auf den Leser
Vielleicht lässt sich das gesamte Kapitel auf eine einfache Frage reduzieren: Welche Entscheidungen möchte der Leser treffen?
Wer diese Frage beantwortet, erkennt meist schnell, welche Darstellungen sinnvoll sind.
Braucht der Leser Orientierung?
Möchte er Produkte vergleichen?
Muss er Unterschiede verstehen?
Soll er einen Überblick gewinnen?
Die Antworten darauf bestimmen, ob ein Fließtext, eine Tabelle, eine Grafik oder eine Kombination daraus die beste Lösung ist. Nicht jede Information benötigt dieselbe Darstellungsform. Und genau darin liegt die Stärke guter Kataloge. Sie wählen für jede Information die Form, die den größten Nutzen bietet.
Fazit
Je komplexer ein Angebot wird, desto wichtiger wird die Art der Darstellung. Tabellen, Vergleiche und visuelle Informationssysteme helfen dabei, große Informationsmengen verständlich und nutzbar zu machen. Sie reduzieren Suchaufwand, erleichtern Entscheidungen und machen Zusammenhänge sichtbar. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Daten darzustellen. Es geht darum, die Informationen hervorzuheben, die für den Leser tatsächlich relevant sind.
Aus unserer Erfahrung gehören gut gestaltete Vergleichssysteme deshalb zu den wertvollsten Bestandteilen eines erfolgreichen Katalogs. Sie unterstützen Leser genau dort, wo Orientierung und Entscheidungsfindung besonders wichtig werden.
Im nächsten Kapitel widmen wir uns einem Thema, das in vielen Katalogen noch immer unterschätzt wird: der Interaktivität. Denn moderne Kataloge müssen nicht mehr ausschließlich statische Informationsmedien sein. Sie können Leser aktiv einbeziehen, zur Auseinandersetzung anregen und Brücken zwischen Print- und Digitalwelt schlagen.
10. Interaktivität im Katalog: Wie Printmedien Leser aktiv einbinden können
Wenn von Interaktivität die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an Websites, Apps oder digitale Plattformen. Ein Katalog dagegen gilt häufig als klassisches Einwegmedium. Informationen werden gedruckt, verteilt und gelesen. Die Kommunikation verläuft scheinbar nur in eine Richtung. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.
Tatsächlich stellt sich bei nahezu jedem Katalog dieselbe Frage: Wie aktiv setzt sich der Leser mit den Inhalten auseinander?
Denn zwischen „durchblättern“ und „wirklich nutzen“ besteht ein erheblicher Unterschied.
Aus unserer Erfahrung gehören die erfolgreichsten Kataloge selten zu denjenigen, die lediglich Informationen präsentieren. Besonders wirksam sind oft jene Kataloge, die den Leser aktiv in den Informationsprozess einbeziehen.
Interaktivität bedeutet dabei nicht zwangsläufig Technik. Interaktivität bedeutet zunächst, dass ein Leser Entscheidungen trifft, Zusammenhänge entdeckt, Inhalte erkundet und sich aktiv mit dem Medium beschäftigt. Genau darin liegt eine oft unterschätzte Chance im Katalogdesign.
Warum aktive Leser mehr Informationen behalten
Ein grundlegendes Prinzip menschlicher Informationsverarbeitung lautet: Menschen erinnern sich besser an Inhalte, mit denen sie aktiv gearbeitet haben.
Wer Informationen lediglich konsumiert, vergisst einen großen Teil davon vergleichsweise schnell. Wer Informationen dagegen vergleicht, bewertet, auswählt oder anwendet, verarbeitet sie deutlich intensiver.
Dieses Prinzip begegnet uns in Schulen, Universitäten, Workshops und Trainings. Es gilt jedoch ebenso für Kataloge. Ein Leser, der aktiv durch Inhalte geführt wird, baut eine stärkere Verbindung zu den Informationen auf. Dadurch steigt nicht nur das Verständnis. Oft steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte später erinnert und genutzt werden.
Interaktivität beginnt bereits bei der Navigation
Bereits die Art, wie Menschen durch einen Katalog navigieren, kann interaktiv sein.
Ein gutes Orientierungssystem ermöglicht Entscheidungen. Der Leser wählt seinen eigenen Weg. Er springt zwischen Themen.
Er entdeckt Zusammenhänge. Er folgt Querverweisen. Er vertieft bestimmte Bereiche.
Dadurch entsteht eine aktive Nutzung statt eines linearen Lesens. Gerade umfangreiche Kataloge profitieren von solchen Strukturen. Denn nicht jeder Leser verfolgt dieselben Ziele. Nicht jeder interessiert sich für dieselben Inhalte. Interaktive Navigationskonzepte erlauben es, unterschiedliche Wege durch denselben Katalog anzubieten.
Querverweise als unterschätztes Werkzeug
Ein Thema, das in vielen Printmedien erstaunlich wenig genutzt wird, sind Querverweise. Dabei orientieren wir uns im Alltag ständig über Verbindungen.
Auf Websites klicken wir Links. In Büchern nutzen wir Register. In Apps springen wir zwischen Funktionen. In Katalogen dagegen werden Inhalte häufig isoliert dargestellt.
Dadurch entstehen unnötige Barrieren. Viele Informationen stehen in Beziehung zueinander. Produkte ergänzen sich. Dienstleistungen bauen aufeinander auf. Bestimmte Themen vertiefen andere Kapitel. Querverweise helfen dabei, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Sie schaffen Orientierung. Sie fördern Entdeckungen.
Und sie unterstützen Leser dabei, eigene Wege durch den Katalog zu entwickeln.
Leser möchten sich selbst einordnen
Eine besonders interessante Form der Interaktivität entsteht, wenn Leser ihre eigene Situation innerhalb eines Katalogs erkennen können.
Dabei geht es nicht um Technik.
Es geht um Selbstverortung.
Ein Katalog kann beispielsweise Fragen stellen.
Typische Anwendungsfälle beschreiben.
Entscheidungshilfen anbieten.
Anforderungen gegenüberstellen.
Checklisten integrieren.
Dadurch entsteht ein Dialog.
Der Leser konsumiert Informationen nicht nur passiv.
Er beginnt, die Inhalte auf seine eigene Situation anzuwenden.
Genau in diesem Moment steigt der praktische Nutzen des Katalogs erheblich.
Checklisten als Interaktionswerkzeug
Aus unserer Erfahrung gehören Checklisten zu den wirkungsvollsten Elementen in beratungsorientierten Katalogen.
Der Grund ist einfach.
Sie verwandeln Informationen in konkrete Handlungen.
Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, Inhalte zu lesen.
Der Leser beginnt, Fragen für sich selbst zu beantworten.
Er bewertet Anforderungen.
Er identifiziert Prioritäten.
Er erkennt mögliche Lücken.
Dadurch entsteht unmittelbarer Mehrwert.
Besonders in komplexen Entscheidungsprozessen können Checklisten dabei helfen, Orientierung zu schaffen.
Nicht selten werden genau diese Seiten später markiert, kopiert oder an Kolleginnen und Kollegen weitergegeben.
Kann ein Katalog spielerisch sein?
Diese Frage wird im B2B-Bereich oft skeptisch betrachtet.
Dabei bedeutet spielerische Interaktion nicht automatisch Unterhaltung.
Gamification kann auch bedeuten, Menschen durch Inhalte zu führen.
Aufgaben zu stellen.
Perspektivwechsel anzuregen.
Neugier zu erzeugen.
Beispielsweise können Leser eingeladen werden, ihre Anforderungen zu bewerten.
Bestimmte Lösungen zu identifizieren.
Anwendungsfälle zu vergleichen.
Oder passende Produktgruppen zu entdecken.
Der Übergang zwischen Orientierungshilfe und spielerischer Interaktion ist dabei oft fließend.
Wichtig ist lediglich, dass die Mechanik einen tatsächlichen Nutzen besitzt.
Print und Digital müssen keine Gegensätze sein
Ein Thema gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung.
Früher musste ein Katalog nahezu alle Informationen selbst enthalten.
Heute stehen zahlreiche digitale Erweiterungen zur Verfügung.
Dadurch verändert sich die Rolle von Printmedien.
Ein Katalog muss nicht länger sämtliche Informationen transportieren.
Er kann Leser auch gezielt zu weiterführenden Inhalten führen.
Dazu gehören beispielsweise:üp>
Produktvideos
Konfiguratoren
Digitale Datenblätter
Referenzprojekte
Downloadbereiche
Anwendungsbeispiele
Interaktive Planungswerkzeuge
Erweiterte Produktinformationen
Der Katalog wird dadurch nicht ersetzt.
Er wird erweitert.
Print und Digital arbeiten zusammen.
Jedes Medium übernimmt die Aufgaben, für die es besonders geeignet ist.
QR-Codes sind nicht automatisch Interaktivität
Wenn über die Verbindung von Print und Digital gesprochen wird, tauchen schnell QR-Codes auf.
Sie können sinnvoll sein.
Sie können aber auch wirkungslos bleiben.
Der entscheidende Punkt lautet:
Ein QR-Code allein erzeugt keinen Mehrwert.
Er ist lediglich ein Zugangspunkt.
Interessant wird er erst dann, wenn die verlinkten Inhalte tatsächlich hilfreich sind.
Deshalb sollte immer zuerst die Frage beantwortet werden:
Welches Problem löst die digitale Erweiterung?
Erst danach sollte über die technische Umsetzung nachgedacht werden.
Interaktivität schafft längere Nutzungsdauer
Ein Effekt zeigt sich bei vielen erfolgreichen Katalogen.
Sie werden nicht nur gelesen.
Sie werden genutzt.
Sie bleiben auf Schreibtischen liegen.
Sie werden markiert.
Sie werden weitergegeben.
Sie werden mehrfach aufgeschlagen.
Der Grund dafür liegt häufig in ihrer praktischen Relevanz.
Je stärker ein Katalog Leser aktiv unterstützt, desto größer wird seine langfristige Bedeutung.
Dadurch verändert sich auch seine Wahrnehmung.
Er wird nicht mehr als Werbemittel betrachtet.
Er wird zum Arbeitsmittel.
Und genau das erhöht seinen Wert erheblich.
Interaktivität bedeutet nicht Komplexität
Ein Missverständnis begegnet uns regelmäßig.
Viele Unternehmen glauben, interaktive Elemente seien aufwendig.
Tatsächlich können bereits kleine Maßnahmen große Wirkung entfalten.
Ein durchdachtes Orientierungssystem.
Sinnvolle Querverweise.
Eine hilfreiche Checkliste.
Ein Entscheidungsbaum.
Ein Praxisleitfaden.
Eine digitale Vertiefungsmöglichkeit.
Oft reichen solche Elemente aus, um die Nutzung deutlich aktiver zu gestalten.
Interaktivität entsteht nicht durch Technik.
Sie entsteht durch Beteiligung.
Die entscheidende Frage
Am Ende dieses Kapitels bleibt eine zentrale Überlegung:
Was soll der Leser mit den Informationen tun?
Soll er lediglich informiert werden?
Oder soll er vergleichen, bewerten, planen, entscheiden und handeln?
Je stärker ein Katalog diese Prozesse unterstützt, desto größer wird sein tatsächlicher Nutzen.
Und genau darin liegt die Stärke interaktiver Konzepte.
Fazit
Kataloge müssen keine passiven Informationssammlungen sein.
Sie können Leser aktiv begleiten, Orientierung schaffen und Entscheidungsprozesse unterstützen. Interaktivität beginnt dabei nicht erst bei digitalen Funktionen. Sie beginnt überall dort, wo Menschen aktiv mit Inhalten arbeiten, Zusammenhänge entdecken und Informationen auf ihre eigene Situation anwenden.
Aus unserer Erfahrung gehören genau diese Elemente zu den stärksten Werkzeugen moderner Kataloge. Denn sie erhöhen nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch den praktischen Nutzen eines Printmediums.
Im nächsten Kapitel widmen wir uns einem Bereich, der oft erst spät im Projekt diskutiert wird, aber erheblichen Einfluss auf die Wirkung eines Katalogs hat: Materialität, Papierwahl und Veredelung. Denn die Frage, wie sich ein Katalog anfühlt, wird häufig ebenso unterschätzt wie die Frage, was darinsteht.
11. Materialität, Papier und Veredelung: Warum die Haptik eines Katalogs über seinen Wert mitentscheidet
Viele Katalogprojekte beginnen mit den Inhalten.
Anschließend folgen Struktur, Gestaltung, Bildwelten und Produktionsdaten.
Irgendwann – meist relativ spät im Prozess – kommt die Frage auf:
Auf welchem Papier soll der Katalog gedruckt werden?
Nicht selten wird diese Entscheidung als technische oder budgetäre Randfrage betrachtet.
Aus unserer Erfahrung ist sie jedoch deutlich wichtiger.
Denn ein Katalog wird nicht nur gelesen.
Er wird in die Hand genommen.
Er wird durchgeblättert.
Er wird getragen.
Er liegt auf einem Schreibtisch.
Er wird weitergegeben.
Und genau dabei entsteht ein Eindruck, den kein Text und kein Layout allein erzeugen können.
Die Materialität eines Katalogs beeinflusst unmittelbar, wie hochwertig, vertrauenswürdig und relevant ein Unternehmen wahrgenommen wird.
Noch bevor die erste Zeile gelesen wird, hat das Medium bereits kommuniziert.
Der erste Eindruck entsteht oft vor dem ersten Inhalt
Menschen bewerten Dinge erstaunlich schnell.
Innerhalb weniger Sekunden entstehen erste Eindrücke.
Das gilt für Websites.
Für Geschäftsräume.
Für Verpackungen.
Und ebenso für Kataloge.
Noch bevor ein Leser die erste Überschrift wahrnimmt, hat er bereits eine Vorstellung davon entwickelt, wie hochwertig, professionell oder relevant das Medium wirkt.
Ein Teil dieser Wahrnehmung entsteht durch die Gestaltung.
Ein weiterer Teil entsteht durch die Materialität.
Wie schwer fühlt sich der Katalog an?
Wie stabil wirkt er?
Wie fühlen sich Papier und Oberfläche an?
Wie hochwertig erscheint die Verarbeitung?
Diese Eindrücke entstehen meist unbewusst.
Ihre Wirkung ist dennoch enorm.
Papier ist ein Kommunikationsmittel
In vielen Projekten wird Papier zunächst als Kostenfaktor betrachtet.
Natürlich spielt das Budget eine wichtige Rolle.
Gleichzeitig erfüllt Papier eine kommunikative Funktion.
Es transportiert Werte.
Es vermittelt Qualität.
Es beeinflusst die Wahrnehmung einer Marke.
Ein hochwertiges Architekturmagazin kommuniziert über sein Papier etwas anderes als ein Preisprospekt.
Eine exklusive Unternehmensbroschüre benötigt andere Eigenschaften als ein technischer Produktkatalog.
Ein Nachhaltigkeitsbericht sollte andere Signale senden als ein Luxusprodukt.
Deshalb sollte die Papierwahl niemals isoliert betrachtet werden.
Die wichtigere Frage lautet:
Welche Botschaft soll der Katalog bereits über seine Materialität vermitteln?
Die passende Papierwahl beginnt beim Einsatzzweck
Eine der häufigsten Fehlannahmen lautet:
Je hochwertiger das Papier, desto besser der Katalog.
In der Praxis ist die Situation deutlich differenzierter.
Die beste Papierwahl hängt immer vom späteren Einsatz ab.
Ein Katalog, der auf Messen verteilt wird, unterliegt anderen Anforderungen als ein Verkaufsunterlagen-Ordner im Außendienst.
Ein Produktkatalog für den täglichen Einsatz benötigt andere Eigenschaften als eine Imagebroschüre.
Ein Nachschlagewerk wird anders genutzt als ein einmaliges Event-Magazin.
Deshalb sollte die Papierwahl immer mit einer einfachen Frage beginnen:
Wie wird der Katalog tatsächlich verwendet?
Erst danach lassen sich sinnvolle Entscheidungen treffen.
Die Nutzung entscheidet über die Anforderungen
Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein Katalog wird regelmäßig auf Baustellen eingesetzt.
Mitarbeitende transportieren ihn täglich.
Er liegt auf Werkbänken.
Er wird häufig aufgeschlagen.
Er muss Belastungen standhalten.
In diesem Fall können Stabilität und Widerstandsfähigkeit wichtiger sein als besonders feine Veredelungen.
Ein anderes Beispiel:
Eine hochwertige Unternehmensbroschüre wird bei persönlichen Gesprächen mit Geschäftspartnern eingesetzt.
Hier kann die emotionale Wirkung der Materialität eine deutlich größere Rolle spielen.
Beide Projekte benötigen unterschiedliche Lösungen.
Und genau deshalb gibt es keine universell richtige Papierwahl.
Die Grammatur ist nur ein Teil der Wahrheit
Wenn über Papier gesprochen wird, konzentrieren sich viele Diskussionen schnell auf die Grammatur.
Also auf das Gewicht des Papiers.
Natürlich beeinflusst die Grammatur die Haptik.
Sie entscheidet mit darüber, wie stabil und hochwertig ein Katalog wirkt.
Gleichzeitig wird ihre Bedeutung häufig überschätzt.
Denn die Wahrnehmung eines Papiers hängt von zahlreichen weiteren Faktoren ab.
Oberflächenstruktur.
Steifigkeit.
Volumen.
Farbwirkung.
Lichtreflexion.
Verarbeitung.
Ein schweres Papier wirkt nicht automatisch hochwertiger.
Ebenso wenig wirkt ein leichteres Papier automatisch günstiger.
Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aller Eigenschaften.
Glänzend, matt oder ungestrichen?
Eine Frage, die nahezu jedes Katalogprojekt begleitet.
Welche Oberfläche passt zum Medium?
Auch hier existiert keine allgemeingültige Antwort.
Jede Variante besitzt eigene Stärken.
Glänzende Oberflächen können Bilder sehr brillant wirken lassen.
Farben erscheinen oft besonders intensiv.
Matte Oberflächen wirken häufig zurückhaltender und hochwertiger.
Sie reduzieren Reflexionen und unterstützen die Lesbarkeit.
Ungestrichene Papiere vermitteln oft Natürlichkeit, Authentizität und Haptik.
Sie wirken greifbarer und weniger technisch.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt erneut von Marke, Zielgruppe und Nutzungssituation ab.
Veredelung: Wirkung mit Augenmaß
Wenn über hochwertige Printmedien gesprochen wird, taucht schnell das Thema Veredelung auf.
Lacke.
Prägungen.
Folien.
Sonderfarben.
Reliefeffekte.
Partielle Hervorhebungen.
Die Möglichkeiten sind vielfältig.
Richtig eingesetzt können sie die Wirkung eines Katalogs erheblich steigern.
Sie schaffen Aufmerksamkeit.
Sie lenken den Blick.
Sie vermitteln Wertigkeit.
Gleichzeitig gilt auch hier:
Mehr ist nicht automatisch besser.
Veredelungen entfalten ihre Wirkung vor allem durch gezielten Einsatz.
Wenn jede Seite veredelt wird, verliert die Veredelung ihren besonderen Charakter.
Wie bei vielen anderen Gestaltungselementen entsteht Wirkung oft durch Zurückhaltung.
Das Cover als haptischer Einstieg
Besonders groß ist der Einfluss der Materialität beim Cover.
Denn hier entsteht der erste physische Kontakt.
Bereits beim Aufnehmen des Katalogs entsteht eine Erwartungshaltung.
Das Cover signalisiert:
Wie wichtig ist dieser Inhalt?
Wie hochwertig ist die Marke?
Wie professionell arbeitet das Unternehmen?
Welche Art von Erfahrung erwartet den Leser?
Deshalb lohnt es sich häufig, gerade dem Umschlag besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Nicht unbedingt durch maximale Veredelung.
Sondern durch eine bewusste Abstimmung von Gestaltung, Material und Botschaft.
Nachhaltigkeit als Entscheidungsfaktor
In den vergangenen Jahren hat ein weiterer Aspekt deutlich an Bedeutung gewonnen.
Nachhaltigkeit.
Viele Unternehmen fragen sich heute:
Welche Materialien verwenden wir?
Wie werden diese wahrgenommen?
Welche Erwartungen haben unsere Kunden?
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Zertifikate oder Recyclinganteile.
Es geht auch um Glaubwürdigkeit.
Die Materialwahl sollte zur Positionierung des Unternehmens passen.
Nachhaltigkeit wird besonders dann überzeugend, wenn sie konsequent gedacht wird.
Nicht als Marketingmaßnahme.
Sondern als nachvollziehbare Entscheidung.
Materialität beeinflusst die Nutzungsdauer
Ein interessanter Effekt zeigt sich immer wieder.
Bestimmte Kataloge werden deutlich länger aufbewahrt als andere.
Natürlich spielen Inhalte dabei eine wichtige Rolle.
Doch auch die Materialität hat Einfluss.
Hochwertige Printmedien werden oft anders behandelt.
Sie werden seltener entsorgt.
Sie bleiben länger auf Schreibtischen.
Sie werden häufiger weitergegeben.
Sie wirken eher wie ein wertvolles Arbeitsmittel als wie ein kurzfristiges Werbemittel.
Dadurch steigt ihre langfristige Wirkung.
Die teuerste Lösung ist nicht immer die beste
In vielen Projekten entsteht irgendwann die Frage:
Wie viel sollte man in Papier und Veredelung investieren?
Die Antwort überrascht manche Auftraggeber.
Nicht die teuerste Lösung ist die beste.
Die beste Lösung ist diejenige, die den Einsatzzweck optimal unterstützt.
Ein technisch perfekter Katalog kann scheitern, wenn er unpraktisch ist.
Eine luxuriöse Veredelung kann wirkungslos bleiben, wenn sie nicht zur Zielgruppe passt.
Gleichzeitig kann eine vergleichsweise einfache Produktion äußerst erfolgreich sein, wenn sie konsequent auf die tatsächliche Nutzung abgestimmt wurde.
Deshalb sollte die Frage nie lauten:
Was ist maximal hochwertig?
Sondern:
Was ist für diesen konkreten Katalog sinnvoll?
Fazit
Materialität wird im Katalogdesign häufig unterschätzt. Dabei beeinflussen Papier, Verarbeitung und Veredelung maßgeblich, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird.
Noch bevor Inhalte gelesen werden, entstehen Eindrücke über Qualität, Professionalität und Wertigkeit. Gleichzeitig entscheidet die Materialwahl darüber, wie praktisch ein Katalog im Alltag nutzbar ist und wie lange er verwendet wird.
Aus unserer Erfahrung entstehen die besten Lösungen dort, wo Materialität nicht als technische Produktionsfrage verstanden wird. Sie wird vielmehr als integraler Bestandteil der Kommunikation betrachtet.
Denn ein Katalog spricht nicht nur über seine Inhalte. Er spricht auch über seine Haptik.
Im nächsten Kapitel widmen wir uns deshalb einer strategischen Frage, die heute viele Unternehmen beschäftigt: Wann ist ein gedruckter Katalog überhaupt noch die richtige Lösung – und ab welchem Punkt ergeben digitale Alternativen mehr Sinn? Gerade in Zeiten von Websites, Apps, Produktdatenbanken und digitalen Plattformen lohnt sich ein genauer Blick auf die jeweiligen Stärken und Grenzen beider Welten.
12. Katalog oder Digitallösung? Wann Print sinnvoll ist – und wann nicht
Wer heute einen Katalog plant, steht früher oder später vor einer grundsätzlichen Frage: Brauchen wir überhaupt noch einen gedruckten Katalog?
Die Frage ist berechtigt. Schließlich stehen Unternehmen heute zahlreiche digitale Möglichkeiten zur Verfügung. Webseiten lassen sich jederzeit aktualisieren, Produktdatenbanken können nahezu unbegrenzt wachsen, Onlineshops bieten Suchfunktionen und Filtermöglichkeiten, und Informationen können in Echtzeit angepasst werden.
Vor diesem Hintergrund erscheint ein gedruckter Katalog auf den ersten Blick fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.
Interessanterweise erleben wir in der Praxis jedoch etwas anderes. Trotz aller digitalen Möglichkeiten entscheiden sich viele Unternehmen weiterhin bewusst für gedruckte Kataloge, Broschüren oder Produkthandbücher. Gleichzeitig gibt es Projekte, bei denen wir nach genauer Analyse feststellen, dass ein Katalog möglicherweise gar nicht die beste Lösung ist.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Print oder Digital grundsätzlich besser ist. Die entscheidende Frage lautet, welches Medium die jeweilige Aufgabe besser erfüllt.
Aus unserer Erfahrung entstehen die besten Kommunikationslösungen dann, wenn diese Entscheidung nicht aus Gewohnheit getroffen wird, sondern aus einer klaren Analyse der Ziele, Inhalte und Nutzerbedürfnisse.
Warum Print trotz Digitalisierung nicht verschwunden ist
Seit vielen Jahren wird das Ende gedruckter Medien vorhergesagt. Dennoch sind Kataloge, Magazine, Produktbroschüren und Geschäftsberichte weiterhin fester Bestandteil vieler Kommunikationsstrategien.
Der Grund dafür liegt weniger in Tradition als in den Eigenschaften des Mediums selbst. Ein gedruckter Katalog besitzt eine physische Präsenz. Er liegt auf dem Schreibtisch, im Besprechungsraum, im Verkaufsraum oder auf einer Messe. Er konkurriert nicht gleichzeitig mit E-Mails, Benachrichtigungen, Social-Media-Feeds und dutzenden geöffneten Browser-Tabs. Diese Aufmerksamkeit ist heute oft wertvoller als früher.
Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Während digitale Informationen theoretisch jederzeit verfügbar sind, werden sie praktisch oft verdrängt. Menschen speichern Links, legen Lesezeichen an oder öffnen neue Tabs mit der Absicht, später darauf zurückzukommen. Häufig geschieht das jedoch nie.
Ein gedruckter Katalog funktioniert anders. Seine bloße Anwesenheit erinnert dauerhaft an seinen Inhalt. Besonders im B2B-Bereich kann das ein erheblicher Vorteil sein.
Wann Print seine größten Stärken ausspielt
Nicht jede Information eignet sich für einen gedruckten Katalog. Es gibt jedoch Situationen, in denen Print bemerkenswert leistungsfähig ist. Dazu gehören vor allem Inhalte, die Orientierung schaffen, Vertrauen aufbauen oder komplexe Zusammenhänge vermitteln sollen.
Wenn Kunden ein umfangreiches Produktsortiment verstehen müssen, kann ein gut strukturierter Katalog eine deutlich angenehmere Nutzererfahrung bieten als eine Vielzahl einzelner Webseiten.
Der Leser erhält einen Überblick über das gesamte Angebot. Er erkennt Zusammenhänge, Produktfamilien und Unterschiede. Er kann Inhalte vergleichen, markieren, durchblättern und später wiederfinden.
Gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten spielt dieser Überblick eine wichtige Rolle. Auch bei persönlichen Gesprächen zeigt sich häufig die Stärke gedruckter Medien. Vertriebsteams nutzen Kataloge als gemeinsame Gesprächsgrundlage. Kunden können auf Seiten zeigen, Inhalte markieren oder Notizen ergänzen.
Print wird dadurch zu einem Werkzeug der Kommunikation. Darüber hinaus vermittelt ein hochwertiger Katalog oft eine gewisse Wertigkeit. Das bedeutet nicht, dass jede Broschüre automatisch Vertrauen erzeugt. Doch die Bereitschaft eines Unternehmens, Informationen sorgfältig aufzubereiten und in ein hochwertiges Medium zu investieren, wird von vielen Lesern bewusst oder unbewusst wahrgenommen.
Wann digitale Lösungen überlegen sind
Genauso wichtig ist die andere Seite der Betrachtung. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen digitale Lösungen die deutlich bessere Wahl sind. Vor allem dann, wenn Informationen häufig aktualisiert werden müssen.
Preise ändern sich. Produktdaten entwickeln sich weiter. Verfügbarkeiten schwanken. Gesetzliche Vorgaben werden angepasst. Technische Spezifikationen verändern sich. Je dynamischer Inhalte sind, desto schwieriger wird ihre langfristige Nutzung im Druck.
Eine Frage, die wir häufig stellen, lautet deshalb: Wie lange bleibt diese Information unverändert gültig? Wenn die Antwort wenige Wochen oder Monate lautet, ist eine digitale Lösung oft wirtschaftlicher und sinnvoller.
Digitale Systeme bieten darüber hinaus Funktionen, die Print grundsätzlich nicht leisten kann. Dazu gehören beispielsweise:
Suchfunktionen
Filtermöglichkeiten
Personalisierung
Echtzeitdaten
Konfiguratoren
Datenbankabfragen
Automatische Aktualisierungen
Konfiguratoren
Datenbankabfragen
Automatische Aktualisierungen
Automatische Aktualisierungen
Besonders bei sehr großen Produktportfolios stößt Print irgendwann an natürliche Grenzen. Während ein Katalog einige hundert Seiten umfassen kann, können digitale Systeme problemlos tausende oder zehntausende Datensätze verwalten.
Die eigentliche Herausforderung: Nicht alles muss ins gleiche Medium
Eine der häufigsten Fehlannahmen besteht darin, dass sämtliche Informationen entweder komplett gedruckt oder komplett digital bereitgestellt werden müssen.
In der Praxis entstehen jedoch oft die besten Lösungen durch eine Kombination beider Welten. Aus unserer Erfahrung lohnt es sich, Inhalte zunächst nach ihrer Funktion zu betrachten.
A – Welche Informationen sollen Orientierung schaffen?
B – Welche Informationen helfen bei Entscheidungen?
C – Welche Informationen ändern sich selten?
D – Welche Informationen ändern sich regelmäßig?
Die Antworten führen häufig zu einer sinnvollen Aufteilung. Der Katalog übernimmt die Rolle des Überblicks, der Struktur und der Einordnung. Digitale Systeme übernehmen die Rolle der Aktualisierung, Vertiefung und Detailverwaltung. Dadurch entstehen Medien, die ihre jeweiligen Stärken ausspielen, anstatt die Schwächen des anderen Mediums zu kopieren.
Warum digitale Kataloge nicht automatisch besser sind
Interessanterweise beobachten wir häufig einen weiteren Effekt. Viele Unternehmen ersetzen einen gedruckten Katalog durch einen sogenannten digitalen Katalog, der letztlich lediglich eine PDF-Datei im Internet darstellt.
Technisch gesehen ist das digital. Inhaltlich nutzt es jedoch oft nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Möglichkeiten digitaler Medien.
Eine PDF kann sinnvoll sein. Sie ermöglicht Download, Archivierung und Offline-Nutzung. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch die Vorteile einer durchdachten digitalen Informationsarchitektur. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Wie bringen wir unseren Katalog ins Internet?“ Sondern: „Wie würden wir diese Informationen gestalten, wenn wir heute komplett neu beginnen würden?“ Diese Perspektive führt häufig zu deutlich besseren Lösungen.
Welche Rolle QR-Codes wirklich spielen
In vielen Projekten taucht früher oder später die Idee auf, Print und Digital über QR-Codes miteinander zu verbinden.
Grundsätzlich kann das sehr sinnvoll sein. Problematisch wird es dann, wenn QR-Codes eingesetzt werden, um Schwächen des eigentlichen Konzepts zu kaschieren. Ein QR-Code sollte keine Rettungsmaßnahme für fehlende Informationen sein. Er sollte dort eingesetzt werden, wo digitale Inhalte einen echten Mehrwert bieten.
Das können beispielsweise sein:
Produktvideos
Konfiguratoren
Aktuelle Preislisten
Montageanleitungen
Datenblätter
Downloads
Anwendungsbeispiele
Erweiterte Produktinformationen
Dann entsteht eine sinnvolle Verbindung zwischen beiden Medien.
Die Zukunft gehört nicht Print oder Digital
Wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet, zeigt sich ein interessantes Muster.
Nicht Print verschwindet. Nicht Digital ersetzt alles. Vielmehr verändern sich die Aufgaben der einzelnen Medien.
Digitale Systeme übernehmen zunehmend Aktualität, Suche und Datenmanagement. Gedruckte Medien konzentrieren sich stärker auf Orientierung, Einordnung, Markenwirkung und Übersicht.
Dadurch werden Kataloge häufig nicht kleiner, sondern strategischer. Sie versuchen nicht mehr, jede einzelne Information abzubilden. Stattdessen helfen sie Lesern dabei, die relevanten Informationen überhaupt erst zu finden und einzuordnen. Genau darin kann ihre größte Stärke liegen.
Fazit
Die Frage lautet heute nicht mehr, ob Print oder Digital grundsätzlich besser ist.
Beide Medien besitzen unterschiedliche Stärken, unterschiedliche Schwächen und unterschiedliche Aufgaben. Aus unserer Erfahrung entstehen die erfolgreichsten Projekte dort, wo Unternehmen zunächst ihre Inhalte, Ziele und Nutzer analysieren und erst danach über das Medium entscheiden.
Print eignet sich besonders dort, wo Orientierung, Übersicht, Vertrauen und intensive Nutzung gefragt sind.
Digitale Lösungen sind dort überlegen, wo Aktualität, Suche, Personalisierung und große Datenmengen im Mittelpunkt stehen.
In vielen Fällen liegt die beste Lösung nicht in einem Entweder-oder, sondern in einer intelligenten Kombination beider Welten. Wer diese Entscheidung bewusst trifft, entwickelt keine Medien aus Gewohnheit, sondern Kommunikationslösungen, die ihre Aufgabe tatsächlich erfüllen.
Im nächsten Kapitel geht es um eine Frage, die häufig erst am Ende eines Projekts gestellt wird, aber eigentlich von Anfang an berücksichtigt werden sollte: Wie lässt sich messen, ob ein Katalog erfolgreich ist – und woran erkennt man überhaupt, ob er seine Ziele erreicht?
13. Erfolg messen: Woran erkennt man, ob ein Katalog funktioniert?
Wenn ein Katalog fertig gedruckt auf dem Tisch liegt, ist in vielen Unternehmen ein wichtiger Meilenstein erreicht. Inhalte wurden gesammelt, strukturiert und gestaltet. Bilder wurden ausgewählt, Texte geschrieben, Freigaben eingeholt und Druckdaten erstellt. Nach oft monatelanger Arbeit ist das Projekt abgeschlossen. Oder zumindest scheint es so.
Interessanterweise endet die Beschäftigung mit dem Katalog in vielen Unternehmen genau an diesem Punkt. Sobald die gedruckten Exemplare ausgeliefert sind, richtet sich die Aufmerksamkeit auf andere Themen. Die nächste Messe steht an, neue Produkte werden entwickelt oder andere Marketingmaßnahmen rücken in den Vordergrund.
Eine Frage bleibt dabei häufig unbeantwortet: Hat der Katalog eigentlich funktioniert? Aus unserer Erfahrung wird diese Frage erstaunlich selten systematisch untersucht. Dabei entscheidet gerade die Antwort darauf, ob zukünftige Projekte besser werden können.
Denn ein Katalog ist kein Selbstzweck. Er soll etwas bewirken. Er soll informieren, Orientierung schaffen, Vertrauen aufbauen, Kaufentscheidungen unterstützen oder Vertriebsprozesse erleichtern. Ob dies gelingt, lässt sich nicht allein an der Qualität des Designs oder an positiven Rückmeldungen innerhalb des Unternehmens erkennen.
Die eigentliche Bewertung beginnt erst dann, wenn der Katalog auf seine Leser trifft.
Warum Erfolg oft falsch bewertet wird
Eine der häufigsten Beobachtungen in Projekten besteht darin, dass Unternehmen den Erfolg eines Katalogs anhand von Kriterien beurteilen, die nur indirekt mit seiner tatsächlichen Wirkung zu tun haben.
Der Katalog sieht hochwertig aus. Die Geschäftsführung ist zufrieden. Die Messebesucher loben die Gestaltung. Der Vertrieb findet die neuen Bilder gelungen.
All das kann erfreulich sein. Dennoch sagt es nur begrenzt etwas darüber aus, ob der Katalog seine eigentliche Aufgabe erfüllt. Ein schönes Medium ist nicht automatisch ein wirksames Medium.
Genauso wenig bedeutet eine aufwendige Gestaltung automatisch, dass Leser Informationen schneller finden oder Entscheidungen leichter treffen können.
Eine Frage, die wir deshalb häufig stellen, lautet: Woran würden Sie erkennen, dass dieses Projekt erfolgreich war?
Erstaunlicherweise entsteht an dieser Stelle oft zunächst eine längere Denkpause. Nicht weil die Frage schwierig wäre, sondern weil sie vor Projektbeginn häufig nie gestellt wurde.
Erfolg beginnt mit klaren Zielen
Aus unserer Erfahrung lassen sich Kataloge nur dann sinnvoll bewerten, wenn ihre Ziele bereits vor Beginn des Projekts definiert wurden. Denn unterschiedliche Ziele führen zu unterschiedlichen Erfolgskriterien.
Ein Produktkatalog für den Vertrieb verfolgt andere Aufgaben als ein Imagekatalog. Ein technisches Nachschlagewerk wird anders genutzt als eine Messebroschüre. Ein Händlerkatalog hat andere Anforderungen als ein Kundenmagazin.
Deshalb lohnt es sich, frühzeitig zu klären:
Was genau soll dieses Medium leisten?
Soll es Anfragen generieren?
Soll es Beratungsgespräche unterstützen?
Soll es bestehende Kunden informieren?
Soll es neue Zielgruppen erreichen?
Soll es die Orientierung in einem großen Sortiment erleichtern?
Je klarer diese Ziele formuliert werden, desto einfacher wird später die Bewertung.
Die Perspektive des Unternehmens ist nicht die Perspektive des Lesers
Ein weiterer Fehler besteht darin, Erfolg ausschließlich aus Unternehmenssicht zu betrachten. Unternehmen beurteilen Kataloge häufig anhand der Inhalte, die sie vermitteln möchten. Leser beurteilen sie hingegen danach, wie leicht sie ihre eigenen Fragen beantworten können. Diese beiden Perspektiven sind nicht immer identisch.
Ein Unternehmen freut sich möglicherweise darüber, dass sämtliche Produktinformationen vollständig enthalten sind. Der Leser bewertet dagegen, ob er die relevanten Informationen schnell findet. Ein Unternehmen sieht die hohe Seitenzahl als Zeichen von Kompetenz. Der Leser empfindet dieselbe Seitenzahl möglicherweise als mühsam.
Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Leser interessieren sich selten für die interne Logik eines Katalogs. Sie interessieren sich dafür, wie schnell sie zu einer Lösung gelangen. Deshalb sollte Erfolg immer auch aus Sicht der Nutzer betrachtet werden.
Welche Fragen Kunden tatsächlich beantworten können
Besonders aufschlussreich sind Untersuchungen, die sich nicht auf den Katalog selbst konzentrieren, sondern auf die Aufgaben der Leser.
Anstatt zu fragen: Gefällt Ihnen der Katalog?“ ist es oft sinnvoller zu fragen:
„Konnten Sie die gesuchte Information finden?“
„Haben Sie die Unterschiede zwischen den Produkten verstanden?“
„Konnten Sie eine Entscheidung treffen?“
„Welche Informationen haben gefehlt?“
„Wo sind Unsicherheiten entstanden?“
Solche Fragen liefern häufig deutlich wertvollere Erkenntnisse. Denn sie zeigen nicht, wie der Katalog wahrgenommen wird, sondern wie gut er tatsächlich funktioniert.
Die Rolle des Vertriebs
Kaum eine Abteilung erlebt die Wirkung eines Katalogs so unmittelbar wie der Vertrieb.
Vertriebsmitarbeiter sehen täglich, welche Fragen Kunden stellen, welche Seiten besonders häufig genutzt werden und an welchen Stellen Missverständnisse entstehen. Deshalb lohnt es sich, ihre Erfahrungen systematisch einzubeziehen.
Welche Informationen werden regelmäßig gesucht?
Welche Inhalte helfen in Gesprächen besonders?
>Welche Seiten werden häufig aufgeschlagen?
>Welche Produktgruppen erzeugen Rückfragen?
Welche Themen werden kaum beachtet?
Oft entstehen hier Erkenntnisse, die in klassischen Projektbesprechungen nie sichtbar werden würden. Der Vertrieb wird dadurch zu einer wichtigen Informationsquelle für die Weiterentwicklung zukünftiger Ausgaben.
Digitale Spuren als zusätzliche Informationsquelle
Sobald Print und digitale Medien miteinander verbunden werden, entstehen zusätzliche Möglichkeiten zur Erfolgsmessung. QR-Codes, Downloadbereiche, Landingpages oder digitale Produktinformationen können Hinweise darauf liefern, welche Inhalte besonderes Interesse erzeugen.
Dabei geht es weniger um einzelne Kennzahlen als um Muster.
Welche Themen werden besonders häufig aufgerufen?
Welche Produktgruppen erzeugen viele Interaktionen?
Welche Informationen werden nach dem Lesen eines Katalogs weiter vertieft?
Solche Daten ersetzen keine Nutzerbeobachtung, können aber wertvolle Ergänzungen liefern.Sie helfen dabei, Vermutungen durch tatsächliches Verhalten zu ergänzen.
Nicht jede Wirkung lässt sich unmittelbar messen
Gleichzeitig wäre es ein Fehler, ausschließlich auf messbare Kennzahlen zu schauen.
Viele der wichtigsten Wirkungen eines Katalogs entstehen langfristig. Vertrauen. Markenwahrnehmung. Orientierung. Professionalität. Wiedererkennung.
Diese Faktoren beeinflussen Entscheidungen oft erheblich, lassen sich aber nicht immer direkt in Zahlen übersetzen. Eine hochwertige Broschüre kann über Jahre hinweg in Büros, Werkstätten oder Besprechungsräumen genutzt werden. Sie begleitet Entscheidungsprozesse, wird weitergegeben und erneut aufgeschlagen.
Ihre Wirkung entsteht nicht an einem einzelnen Zeitpunkt, sondern über einen längeren Zeitraum. Deshalb sollte Erfolgsmessung immer quantitative und qualitative Beobachtungen miteinander verbinden.
Der größte Nutzen der Erfolgsmessung liegt in zukünftigen Projekten
Interessanterweise geht es bei der Bewertung eines Katalogs oft weniger um das aktuelle Projekt als um das nächste.
Jede Erkenntnis hilft dabei, zukünftige Medien besser zu gestalten. Vielleicht stellt sich heraus, dass bestimmte Kapitel kaum genutzt werden. Vielleicht zeigt sich, dass Vergleichstabellen besonders hilfreich sind. Vielleicht werden bestimmte Informationen ständig gesucht, obwohl sie nur schwer auffindbar sind.
Solche Beobachtungen sind oft wesentlich wertvoller als die Frage, ob das aktuelle Projekt als Erfolg oder Misserfolg eingestuft werden kann. Sie machen aus einem abgeschlossenen Katalogprojekt einen kontinuierlichen Lernprozess. Genau dadurch entwickeln sich Medien über mehrere Ausgaben hinweg immer näher an den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Leser.
Fazit
Der Erfolg eines Katalogs lässt sich nicht allein an seiner Gestaltung, seinem Umfang oder positiven internen Rückmeldungen erkennen. Entscheidend ist, ob er die Aufgabe erfüllt, für die er entwickelt wurde.
Aus unserer Erfahrung beginnt erfolgreiche Erfolgsmessung bereits vor dem Projektstart – nämlich mit der Definition klarer Ziele. Erst wenn bekannt ist, welche Wirkung erzielt werden soll, lässt sich später beurteilen, ob diese Wirkung tatsächlich eingetreten ist. Besonders wertvoll sind dabei die Perspektiven der Leser, die Erfahrungen des Vertriebs sowie Beobachtungen aus der tatsächlichen Nutzung.
Nicht jede Wirkung lässt sich exakt messen. Viele wichtige Effekte entstehen langfristig und zeigen sich eher in Verhaltensänderungen als in Kennzahlen. Wer die Nutzung eines Katalogs jedoch aufmerksam beobachtet, gewinnt Erkenntnisse, die weit über das aktuelle Projekt hinausreichen – und die Grundlage für bessere Kommunikationsmedien in der Zukunft schaffen.
Im nächsten Kapitel betrachten wir eine Frage, die häufig unterschätzt wird, obwohl sie über den langfristigen Erfolg vieler Katalogprojekte entscheidet: Wie bleibt ein Katalog über Jahre hinweg nutzbar, relevant und aktuell, ohne bei jeder Veränderung komplett neu entwickelt werden zu müssen?
14. Kataloge zukunftsfähig planen: Wie Inhalte länger nutzbar bleiben
Viele Katalogprojekte beginnen mit einer klaren Vorstellung davon, wie das fertige Ergebnis aussehen soll. Deutlich seltener wird jedoch darüber gesprochen, wie sich der Katalog in den kommenden Monaten oder Jahren entwickeln wird.
Dabei zeigt die Praxis, dass genau diese Frage erheblichen Einfluss auf den langfristigen Erfolg eines Projekts hat.
Denn kaum ein Unternehmen arbeitet in einem statischen Umfeld. Produkte werden weiterentwickelt, Leistungen verändert, Sortimentsteile erweitert, Preise angepasst und neue Zielgruppen erschlossen. Was heute vollständig und aktuell erscheint, kann bereits in wenigen Monaten teilweise überholt sein.
Aus unserer Erfahrung wird die Zukunftsfähigkeit eines Katalogs häufig unterschätzt. Viele Medien werden für den Moment konzipiert, obwohl sie über Jahre hinweg genutzt werden sollen. Die Folge sind aufwendige Überarbeitungen, hohe Folgekosten und Strukturen, die bereits nach kurzer Zeit an ihre Grenzen stoßen.
Interessanterweise entsteht Zukunftsfähigkeit nicht erst bei der nächsten Aktualisierung. Sie entsteht bereits während der ersten Konzeption.
Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie ein Katalog heute funktionieren soll, sondern auch, wie er mit zukünftigen Veränderungen umgehen kann.
Warum viele Kataloge schneller altern als nötig
Dass Inhalte mit der Zeit veralten, lässt sich nicht vermeiden.
Die Geschwindigkeit, mit der ein Katalog an Relevanz verliert, lässt sich jedoch oft beeinflussen.
Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Nicht einzelne Produktdaten sind das eigentliche Problem. Problematisch werden häufig Strukturen, die keine Veränderungen zulassen.
Wenn beispielsweise Produktgruppen sehr eng miteinander verknüpft sind, können spätere Erweiterungen schwierig werden. Wenn Seitenlayouts ausschließlich für die aktuelle Produktanzahl funktionieren, entstehen bei neuen Produkten schnell gestalterische Probleme.
Ähnliches gilt für Inhaltsstrukturen. Ein Katalog, der ausschließlich auf dem aktuellen Sortiment basiert, kann bei größeren Sortimentserweiterungen schnell unübersichtlich werden. Eine Struktur, die von Beginn an Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigt, bleibt dagegen oft deutlich länger stabil.
Aus unserer Erfahrung lohnt es sich deshalb, nicht nur für den aktuellen Stand zu planen, sondern auch mögliche Entwicklungen mitzudenken.
Inhalte in Modulen statt in Einzellösungen denken
Eine der wirksamsten Methoden für langfristig nutzbare Kataloge besteht darin, Inhalte modular aufzubauen.
Modularität bedeutet nicht, dass Inhalte austauschbar oder beliebig werden. Vielmehr geht es darum, Informationen so zu strukturieren, dass einzelne Bereiche unabhängig voneinander angepasst werden können.
Ein Produktbereich kann erweitert werden, ohne den gesamten Katalog neu zu gestalten. Eine neue Leistung kann ergänzt werden, ohne bestehende Kapitel grundlegend umzubauen. Eine zusätzliche Zielgruppe kann integriert werden, ohne die komplette Informationsarchitektur neu zu entwickeln.
Besonders bei umfangreichen Sortimenten zeigt sich der Vorteil solcher Systeme. Statt jede Ausgabe neu zu denken, entsteht ein flexibles Gerüst, das Veränderungen aufnehmen kann.
Interessanterweise ähnelt dieser Ansatz modernen digitalen Systemen. Auch dort entstehen langlebige Strukturen selten durch starre Lösungen, sondern durch modulare Bausteine.
Zeitlose Inhalte von veränderlichen Informationen trennen
Eine Frage, die wir in vielen Projekten stellen, lautet:
Welche Inhalte werden voraussichtlich mehrere Jahre unverändert bleiben? Die Antworten sind oft überraschend.
Viele Unternehmen stellen fest, dass ein großer Teil ihrer Informationen wesentlich langlebiger ist als zunächst angenommen.
Anwendungswissen.
Branchenwissen.
Beratungsinhalte.
Grundlegende Produktprinzipien.
Entscheidungshilfen.
Praxisbeispiele.
Diese Inhalte verändern sich oft deutlich langsamer als konkrete Produktdaten oder Preisangaben. Deshalb kann es sinnvoll sein, zeitlose Inhalte stärker in den Mittelpunkt zu rücken und besonders veränderliche Informationen gezielt auszulagern oder flexibel zu gestalten. Dadurch erhöht sich die Nutzungsdauer eines Katalogs häufig erheblich.
Gleichzeitig entsteht ein weiterer Vorteil: Leser erhalten nicht nur aktuelle Daten, sondern auch Wissen, das langfristig relevant bleibt.
Gestaltungssysteme statt Einzelseiten
Ein weiterer Aspekt betrifft die Gestaltung.
Viele Kataloge werden Seite für Seite entwickelt. Jede Doppelseite erhält ihre eigene Lösung. Jedes Kapitel wird individuell gestaltet. Das kann visuell reizvoll sein. Langfristig entstehen dadurch jedoch häufig Probleme.
Je individueller jede Seite aufgebaut ist, desto aufwendiger werden spätere Anpassungen Aus unserer Erfahrung profitieren langfristige Projekte oft von klaren Gestaltungssystemen.
Wiederkehrende Raster.
Definierte Informationsbereiche.
Konsistente Tabellenstrukturen.
Standardisierte Produktdarstellungen.
Flexible Seitentypen.
Solche Systeme schaffen nicht nur Orientierung für Leser, sondern auch Effizienz bei zukünftigen Überarbeitungen. Neue Inhalte können leichter integriert werden, ohne die gestalterische Qualität zu gefährden.
Die Rolle von Daten und Content-Management
Mit zunehmender Komplexität wird die Pflege von Inhalten selbst zu einem wichtigen Thema.
Interessanterweise entstehen viele Probleme nicht bei der Gestaltung, sondern bereits bei der Verwaltung der Informationen. Produktdaten liegen an unterschiedlichen Orten. Texte existieren in verschiedenen Versionen. Bilder werden mehrfach gespeichert. Freigabestände sind unklar.
Je größer ein Katalogprojekt wird, desto wichtiger wird ein strukturierter Umgang mit Inhalten. Dabei muss nicht jedes Unternehmen sofort umfangreiche Datenmanagementsysteme einführen. Bereits klare Zuständigkeiten, zentrale Datenquellen und definierte Prozesse können die Aktualisierung erheblich erleichtern.
Die Qualität zukünftiger Kataloge hängt häufig stärker von der Qualität der Inhaltsorganisation ab als von der eigentlichen Gestaltung.
Zukunftsfähigkeit bedeutet nicht Beliebigkeit
Manchmal entsteht die Sorge, dass flexible Systeme zwangsläufig beliebig werden.
Diese Sorge ist verständlich, trifft in der Praxis jedoch selten zu. Ein guter Katalog benötigt weiterhin eine klare Struktur, eine erkennbare Gestaltung und eine nachvollziehbare Logik. Flexibilität bedeutet nicht, auf Ordnung zu verzichten. Im Gegenteil.
Gerade stabile Grundstrukturen ermöglichen es, Veränderungen kontrolliert aufzunehmen. Man könnte sagen: Je klarer das Fundament, desto leichter lassen sich spätere Erweiterungen integrieren. Deshalb entstehen die langlebigsten Kataloge oft dort, wo klare Regeln und ausreichende Anpassungsfähigkeit miteinander kombiniert werden.
Vom Projekt zum System
Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei Unternehmen, die regelmäßig umfangreiche Kataloge produzieren.
Mit der Zeit verändert sich die Perspektive. Anfangs wird jede Ausgabe als eigenständiges Projekt betrachtet.
Später entsteht häufig ein anderer Blickwinkel. Der Katalog wird nicht mehr als einzelnes Produkt verstanden, sondern als dauerhaftes Kommunikationssystem.
Inhalte entwickeln sich weiter.
Produktbereiche wachsen.
Neue Informationen kommen hinzu.
Bestehende Informationen werden aktualisiert.
Die Aufgabe besteht dann nicht mehr darin, immer wieder von vorne zu beginnen, sondern ein funktionierendes System kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Fazit
Kataloge altern nicht nur durch veraltete Informationen. Häufig verlieren sie ihre Aktualität, weil ihre Strukturen Veränderungen nicht ausreichend berücksichtigen.
Wer bereits bei der Konzeption an zukünftige Entwicklungen denkt, schafft die Grundlage für deutlich langlebigere Medien. Modulare Inhalte, flexible Informationsarchitekturen, klare Gestaltungssysteme und eine strukturierte Inhaltsverwaltung helfen dabei, Anpassungen effizient umzusetzen und Folgekosten zu reduzieren.
Dabei geht es nicht darum, jede mögliche Veränderung vorherzusagen. Entscheidend ist vielmehr, Systeme zu entwickeln, die mit Veränderungen umgehen können. Aus unserer Erfahrung entsteht Zukunftsfähigkeit dort, wo Kataloge nicht als einmalige Projekte verstanden werden, sondern als Kommunikationssysteme, die sich gemeinsam mit dem Unternehmen weiterentwickeln.
Mit diesem Gedanken schließt sich der Kreis vieler Entscheidungen, die wir in den vorherigen Kapiteln betrachtet haben. Denn erfolgreiche Kataloge entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel von Strategie, Struktur, Inhalt, Gestaltung, Materialität und langfristiger Planung.
Und genau deshalb beginnt ein guter Katalog lange vor der ersten Seite – und endet nicht mit dem Druck.
15. Warum gute Kataloge selten am Design scheitern: Die Bedeutung von Projektorganisation und Zusammenarbeit
Wenn über erfolgreiche Kataloge gesprochen wird, stehen häufig Inhalte, Gestaltung, Papier oder Druckqualität im Mittelpunkt. Das ist nachvollziehbar. Diese Aspekte sind sichtbar. Sie prägen das fertige Ergebnis und beeinflussen, wie Leser den Katalog wahrnehmen.
Interessanterweise liegen die Ursachen für viele Probleme jedoch an einer ganz anderen Stelle.
Der fertige Katalog ist letztlich immer das Ergebnis zahlreicher Entscheidungen. Je besser diese Entscheidungen vorbereitet und koordiniert werden, desto reibungsloser verläuft das gesamte Projekt. Deshalb lohnt sich ein Blick auf einen Bereich, der oft wenig Aufmerksamkeit erhält, aber erheblichen Einfluss auf Qualität, Kosten und Projektlaufzeit besitzt: die Organisation der Zusammenarbeit.
Warum Katalogprojekte schnell komplex werden
Auf den ersten Blick erscheint ein Katalog oft wie ein klassisches Designprojekt.
In der Realität handelt es sich jedoch meist um ein bereichsübergreifendes Vorhaben.
Marketing liefert Inhalte. Produktmanagement steuert Fachinformationen bei. Vertrieb bringt Kundenerfahrungen ein. Geschäftsführung definiert strategische Ziele. Technische Abteilungen prüfen Daten. Externe Partner übernehmen Gestaltung, Fotografie oder Produktion.
Je umfangreicher das Projekt wird, desto mehr Menschen sind beteiligt. Damit steigt automatisch die Komplexität.
Die eigentliche Herausforderung besteht häufig nicht darin, Informationen zu erstellen, sondern sie zusammenzuführen. Unterschiedliche Perspektiven, Prioritäten und Anforderungen müssen zu einem gemeinsamen Ergebnis werden. Genau an dieser Stelle entscheidet sich oft, wie effizient ein Projekt verläuft.
Die Bedeutung klarer Verantwortlichkeiten
Eine Frage, die wir zu Beginn vieler Projekte stellen, lautet: Wer trifft eigentlich welche Entscheidungen?
Erstaunlicherweise bleibt diese Frage häufig zunächst unbeantwortet.
Dabei entstehen viele Verzögerungen genau dort, wo Verantwortlichkeiten unklar sind.
A – Wer gibt Inhalte frei?
B – Wer entscheidet bei Zielkonflikten?
C – Wer priorisiert Änderungen?
D – Wer verantwortet Termine?
E – Wer koordiniert die Beteiligten?
Wenn diese Rollen frühzeitig definiert werden, lassen sich zahlreiche Abstimmungsschleifen vermeiden. Aus unserer Erfahrung profitieren Projekte besonders dann, wenn es eine zentrale Ansprechperson gibt, die den Überblick behält und Entscheidungen strukturiert zusammenführt.
Dabei geht es nicht um Kontrolle, sondern um Orientierung. Je komplexer ein Projekt wird, desto wichtiger wird eine Instanz, die Zusammenhänge erkennt und Prioritäten setzen kann.
Warum Freigaben häufig zum Engpass werden
In vielen Unternehmen verlaufen die ersten Projektphasen vergleichsweise reibungslos.
Inhalte werden gesammelt. Strukturen werden entwickelt. Gestaltungskonzepte entstehen.Die größten Verzögerungen treten häufig erst während der Freigabeprozesse auf.
Mehrere Personen möchten Anpassungen vornehmen. Neue Anforderungen entstehen. Bereits getroffene Entscheidungen werden erneut diskutiert. Zusätzliche Korrekturschleifen kommen hinzu. All das ist grundsätzlich nachvollziehbar.
Problematisch wird es dann, wenn kein klarer Prozess existiert. Je früher Verantwortlichkeiten, Fristen und Entscheidungswege definiert werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit späterer Verzögerungen.
Perfektion und Fortschritt in Balance bringen
Eine weitere Herausforderung betrifft den Umgang mit Änderungswünschen.
Fast jedes Katalogprojekt erreicht irgendwann einen Punkt, an dem zusätzliche Optimierungen möglich erscheinen.
Ein Bild könnte noch verbessert werden. Eine Formulierung ließe sich präzisieren. Eine Tabelle könnte erweitert werden. Eine zusätzliche Information wäre möglicherweise hilfreich. Ein gewisses Maß an Optimierung gehört zu jedem Qualitätsprozess.
Gleichzeitig entsteht irgendwann die Frage, ob eine Änderung tatsächlich einen relevanten Mehrwert erzeugt. Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Die letzten fünf Prozent Perfektion verursachen häufig einen unverhältnismäßig hohen Aufwand. Deshalb lohnt es sich, zwischen wichtigen Verbesserungen und rein theoretischen Optimierungen zu unterscheiden. Nicht jede mögliche Anpassung macht den Katalog für Leser tatsächlich besser.
Die Rolle externer Partner
Viele Katalogprojekte entstehen in Zusammenarbeit mit Agenturen, Fotografen, Illustratoren, Textern oder Druckereien. Die Qualität dieser Zusammenarbeit beeinflusst das Ergebnis oft stärker als einzelne kreative Maßnahmen.
Aus unserer Erfahrung entstehen die besten Ergebnisse dort, wo externe Partner nicht lediglich als Ausführende betrachtet werden. Wenn Ziele, Herausforderungen und Rahmenbedingungen transparent kommuniziert werden, können externe Spezialisten ihr Fachwissen wesentlich wirkungsvoller einbringen.
Gute Zusammenarbeit bedeutet dabei nicht, alle Entscheidungen auszulagern. Sie bedeutet vielmehr, unterschiedliche Kompetenzen sinnvoll miteinander zu verbinden.
Warum Kommunikation oft wichtiger ist als zusätzliche Meetings
Wenn Probleme auftreten, wird häufig mehr Kommunikation gefordert.
Interessanterweise bedeutet bessere Kommunikation jedoch nicht zwangsläufig mehr Kommunikation. In vielen Projekten entstehen Schwierigkeiten nicht durch zu wenige Gespräche, sondern durch fehlende Klarheit.
A – Welche Entscheidung wurde getroffen?
B _ Welche Version ist aktuell?
C – Welche Änderungen wurden bereits beschlossen?
D – Welche Ziele gelten weiterhin?
Je eindeutiger solche Informationen dokumentiert werden, desto effizienter wird die Zusammenarbeit. Eine kurze klare Information ist oft wertvoller als mehrere lange Abstimmungsrunden.
Gute Projekte schaffen bessere Kataloge
Letztlich zeigt sich immer wieder ein Zusammenhang, der auf den ersten Blick überraschend wirken kann. Die Qualität eines Katalogs hängt nicht ausschließlich von den sichtbaren Ergebnissen ab. Sie hängt auch davon ab, wie diese Ergebnisse entstanden sind.
Klare Ziele führen zu besseren Entscheidungen.
Klare Zuständigkeiten reduzieren Reibungsverluste.
Klare Prozesse schaffen Verlässlichkeit.
Klare Kommunikation verhindert Missverständnisse.
Dadurch entsteht nicht nur ein effizienterer Projektverlauf. Häufig verbessert sich auch die Qualität des fertigen Mediums. Denn Teams können sich stärker auf Inhalte, Leser und Nutzerbedürfnisse konzentrieren, anstatt Energie in organisatorische Probleme zu investieren.
Fazit
Erfolgreiche Kataloge entstehen nicht allein durch gute Inhalte oder überzeugende Gestaltung. Sie entstehen durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter, die gemeinsam auf ein klares Ziel hinarbeiten.
Aus unserer Erfahrung entscheidet die Qualität der Zusammenarbeit oft früher über den Projekterfolg als einzelne gestalterische Details. Klare Verantwortlichkeiten, strukturierte Freigaben, transparente Kommunikation und realistische Entscheidungsprozesse schaffen die Grundlage für effiziente Projekte und bessere Ergebnisse.
Wer diese organisatorischen Aspekte frühzeitig berücksichtigt, reduziert nicht nur Aufwand und Verzögerungen. Er schafft gleichzeitig die Voraussetzungen dafür, dass Inhalte, Gestaltung und Strategie ihr volles Potenzial entfalten können.
Im nächsten Kapitel werfen wir einen Blick auf einen Aspekt, der häufig erst nach Fertigstellung eines Katalogs sichtbar wird: Welche typischen Fehler begegnen Unternehmen immer wieder – und wie lassen sie sich bereits in der Planungsphase vermeiden?
16. Die häufigsten Fehler bei Katalogprojekten – und wie man sie vermeidet
Wer viele Kataloge entwickelt, erkennt mit der Zeit ein interessantes Muster: Die meisten Probleme sind nicht neu.
Obwohl Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen kommen, unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und völlig verschiedene Produkte anbieten, ähneln sich viele Herausforderungen erstaunlich stark. Bestimmte Fehler tauchen immer wieder auf. Manche führen zu kleinen Irritationen. Andere können die Wirkung eines gesamten Katalogs erheblich beeinträchtigen.
Interessanterweise entstehen diese Fehler selten aus Nachlässigkeit oder mangelndem Engagement. Im Gegenteil. Viele entstehen gerade deshalb, weil Unternehmen besonders viel Wissen vermitteln, möglichst vollständig informieren oder möglichst viele Interessen berücksichtigen möchten.
Die Absicht ist meist gut. Die Wirkung fällt jedoch nicht immer so aus wie geplant. Aus unserer Erfahrung lohnt es sich deshalb, die häufigsten Stolperfallen genauer zu betrachten. Nicht um Schuldige zu suchen, sondern um typische Muster frühzeitig zu erkennen und bewusst bessere Entscheidungen zu treffen.
Der Versuch, alles gleichzeitig erreichen zu wollen
Eine der häufigsten Herausforderungen besteht darin, dass ein Katalog zu viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen soll.
Er soll verkaufen.
Er soll informieren.
Er soll die Marke stärken.
Er soll neue Kunden gewinnen.
Er soll als Nachschlagewerk dienen.
Er soll den Vertrieb unterstützen.
Er soll technische Dokumentation enthalten.
Er soll Unternehmenskompetenz vermitteln.
Jedes dieser Ziele kann sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn keine Prioritäten gesetzt werden. Dann entsteht häufig ein Medium, das alles ein wenig, aber nichts wirklich konsequent erfüllt.
Eine Frage, die wir zu Beginn vieler Projekte stellen, lautet deshalb: Was ist die wichtigste Aufgabe dieses Katalogs? Je klarer die Antwort ausfällt, desto einfacher werden viele spätere Entscheidungen.
Zu viel Wissen aus Unternehmenssicht
Unternehmen verfügen über enormes Fachwissen. Genau deshalb fällt es oft schwer zu beurteilen, welche Informationen für Leser tatsächlich relevant sind.
Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Je größer die interne Expertise, desto größer wird häufig die Gefahr der Überinformation.
Technische Details werden ausführlich beschrieben. Interne Produktlogiken werden erklärt. Historische Entwicklungen werden dargestellt.
Zusätzliche Informationen werden ergänzt, „weil sie vielleicht wichtig sein könnten“. Für Leser entsteht dadurch nicht automatisch mehr Nutzen. Häufig passiert sogar das Gegenteil.
Je mehr Informationen gleichzeitig präsentiert werden, desto schwieriger wird es, die wirklich relevanten Inhalte zu erkennen.
Deshalb lautet eine wichtige Frage nicht: >„Was könnten wir noch ergänzen?“ Sondern: >„Was hilft dem Leser bei seiner Aufgabe?“ Struktur nach Organigramm statt nach Nutzerbedürfnissen
Ein weiterer Klassiker entsteht bei der Gliederung von Inhalten. Viele Kataloge orientieren sich unbewusst an internen Unternehmensstrukturen.
Produktbereiche werden entsprechend der Organisation aufgebaut. Abteilungen bestimmen die Kapitelstruktur. Verantwortlichkeiten prägen die Navigation.
Für Mitarbeiter erscheint diese Ordnung logisch. Für Kunden oft nicht. Leser interessieren sich selten für interne Zuständigkeiten. Sie suchen Lösungen, Anwendungen oder Antworten auf konkrete Fragen.
Fehlende Prioritäten in der Informationshierarchie
Manche Katalogseiten wirken auf den ersten Blick beeindruckend.
Viele Bilder. Viele Farben. Viele Hervorhebungen. Viele Informationen. Viele Botschaften. Doch genau darin liegt häufig das Problem. Wenn alles Aufmerksamkeit fordert, weiß der Leser nicht mehr, worauf er sich konzentrieren soll.
Eine klare Informationshierarchie gehört zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Katalogs. Leser müssen erkennen können:
Was ist die zentrale Botschaft?
Welche Information ist besonders wichtig?
Welche Inhalte dienen lediglich als Ergänzung?
Ohne diese Orientierung entsteht schnell Überforderung.
Tabellen, die niemand vergleichen kann
Tabellen gehören zu den wertvollsten Werkzeugen komplexer Kataloge.
Gleichzeitig gehören sie zu den häufigsten Fehlerquellen. Oft werden sämtliche verfügbaren Informationen in eine Tabelle übernommen. Die Folge sind überladene Darstellungen mit zahlreichen Spalten, Abkürzungen und Detailwerten.
Theoretisch sind alle Informationen vorhanden. Praktisch fällt der Vergleich schwer. Interessanterweise entsteht die Stärke von Tabellen nicht durch Vollständigkeit, sondern durch Vergleichbarkeit. Je einfacher Leser Unterschiede erkennen können, desto hilfreicher wird die Darstellung.
Bilder ohne Funktion
Bilder spielen in nahezu jedem Katalog eine wichtige Rolle.
Problematisch wird es jedoch, wenn Bilder lediglich Seiten füllen sollen. Aus unserer Erfahrung erfüllen die besten Bilder immer eine konkrete Aufgabe.
Sie zeigen Anwendungen.
Sie schaffen Orientierung.
Sie verdeutlichen Unterschiede.
Sie unterstützen das Verständnis.
Bilder, die keinen erkennbaren Beitrag zur Kommunikation leisten, erhöhen häufig nur die visuelle Komplexität. Deshalb lohnt sich die Frage: Was soll dieses Bild für den Leser leisten? Wenn darauf keine klare Antwort existiert, ist seine Notwendigkeit oft fraglich.
Zu späte Beschäftigung mit dem Druck
Interessanterweise werden Druck und Produktion in manchen Projekten erst sehr spät berücksichtigt.
Zunächst entstehen Inhalte und Gestaltung. Erst kurz vor der Fertigstellung werden Papier, Veredelung, Bindung oder Produktionsanforderungen diskutiert. Dadurch gehen häufig Potenziale verloren. Denn Materialität beeinflusst nicht nur die Produktion, sondern oft auch die Nutzung, Wahrnehmung und Lebensdauer eines Katalogs.
Der Irrglaube, dass mehr Seiten automatisch mehr Wert bedeuten
Viele Unternehmen verbinden Umfang mit Bedeutung.
Ein dicker Katalog wirkt zunächst beeindruckend. Doch Leser bewerten Medien selten nach ihrem Gewicht. Sie bewerten sie danach, wie schnell sie relevante Informationen finden.
Ein umfangreicher Katalog kann sinnvoll sein. Er ist jedoch nicht automatisch besser als eine kompakte Lösung. ft erzeugt eine konsequente Auswahl mehr Nutzen als zusätzliche Seiten.
Die Kunst besteht nicht darin, möglichst viel zu veröffentlichen. Die Kunst besteht darin, das Richtige zu veröffentlichen.
Keine Planung für spätere Aktualisierungen
Ein weiterer Fehler zeigt sich häufig erst nach der Veröffentlichung.
Der Katalog funktioniert.
Die Inhalte sind aktuell.
Die Gestaltung überzeugt.
Doch schon nach kurzer Zeit müssen Änderungen vorgenommen werden.
Neue Produkte entstehen.
Bestehende Informationen ändern sich.
Zusätzliche Inhalte kommen hinzu.
Wenn solche Entwicklungen nicht mitgedacht wurden, wird jede Anpassung aufwendig. Aus unserer Erfahrung lohnt es sich daher, bereits bei der ersten Ausgabe über zukünftige Veränderungen nachzudenken. Dadurch entstehen Systeme, die langfristig flexibler und wirtschaftlicher bleiben.
Zu wenig echte Nutzerperspektive
Der vielleicht wichtigste Fehler betrifft die Sichtweise auf das Projekt. Viele Entscheidungen werden ausschließlich intern getroffen.
Mitarbeiter diskutieren Inhalte. Abteilungen bewerten Strukturen. Fachleute prüfen Informationen. All das ist wichtig.
Dennoch fehlt häufig die Perspektive der späteren Leser. Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Nutzer reagieren oft völlig anders als erwartet.
Fazit
Die meisten Fehler in Katalogprojekten entstehen nicht durch mangelnde Kompetenz. Sie entstehen durch nachvollziehbare Entscheidungen, die aus der Perspektive des Unternehmens sinnvoll erscheinen, aus Sicht der Leser jedoch nicht immer optimal funktionieren.
Aus unserer Erfahrung wiederholen sich bestimmte Muster besonders häufig: zu viele Ziele, zu viele Informationen, fehlende Prioritäten, unklare Strukturen und eine zu geringe Orientierung an tatsächlichen Nutzerbedürfnissen.
Die gute Nachricht ist, dass sich viele dieser Probleme bereits in der Planungsphase vermeiden lassen.
Wer konsequent aus Sicht der Leser denkt, klare Prioritäten setzt und den Mut zur Auswahl besitzt, schafft die Grundlage für deutlich wirksamere Kataloge.
Und genau darin liegt letztlich die zentrale Erkenntnis dieses gesamten Leitfadens: Erfolgreiche Kataloge entstehen nicht durch möglichst viele Inhalte, möglichst viele Seiten oder möglichst viele Gestaltungselemente. Sie entstehen durch bewusste Entscheidungen darüber, was wirklich wichtig ist.
Damit schließt sich der Kreis aller bisherigen Kapitel – von der strategischen Zielsetzung über Inhalte, Struktur, Gestaltung und Materialität bis hin zur langfristigen Nutzung. Denn am Ende geht es immer um dieselbe Frage: Wie kann ein Medium Menschen dabei helfen, Informationen zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und Orientierung zu finden?
17. Die Zukunft des Katalogs: Wie sich Printmedien in den kommenden Jahren verändern werden
Seit Jahrzehnten wird immer wieder über die Zukunft gedruckter Medien diskutiert. Kaum ein anderes Kommunikationsmittel wurde so oft für überholt erklärt wie der klassische Katalog. Gleichzeitig gibt es nur wenige Medienformen, die sich über einen so langen Zeitraum immer wieder an neue Rahmenbedingungen angepasst haben.
Wer die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet, erkennt ein interessantes Muster.
Der Katalog verschwindet nicht. Er verändert seine Aufgabe.
Aus unserer Erfahrung ist genau das der entscheidende Punkt. Die Zukunft von Katalogen wird vermutlich nicht durch die Frage bestimmt, ob Print bestehen bleibt oder verschwindet. Viel wichtiger ist die Frage, welche Funktionen Print künftig übernehmen wird und welche Aufgaben digitale Systeme besser erfüllen können.
Viele Entwicklungen, die heute sichtbar werden, deuten bereits an, in welche Richtung sich Kataloge bewegen.
Von der Informationssammlung zur Orientierungshilfe
Früher bestand eine zentrale Aufgabe von Katalogen darin, möglichst viele Informationen bereitzustellen. Das war logisch.
Informationen waren begrenzt verfügbar. Wer einen Katalog besaß, verfügte oft über einen Wissensvorsprung.
Heute ist die Situation anders. Informationen sind nahezu überall verfügbar. Produktdaten, technische Spezifikationen und Anwendungsbeispiele lassen sich innerhalb weniger Sekunden recherchieren. Dadurch verändert sich die Rolle des Katalogs. Seine größte Stärke liegt zunehmend nicht mehr in der reinen Informationsmenge, sondern in der Auswahl, Einordnung und Strukturierung von Informationen.
Eine Beobachtung aus vielen Projekten: Je größer die Informationsflut wird, desto wertvoller wird Orientierung. Kataloge entwickeln sich deshalb immer stärker von Datensammlungen zu Navigationsinstrumenten. Sie helfen Lesern dabei, relevante Informationen zu erkennen, Unterschiede zu verstehen und Entscheidungen vorzubereiten.
Qualität gewinnt gegenüber Quantität
Über viele Jahre galt in manchen Branchen die Vorstellung, dass größere Kataloge automatisch leistungsfähiger seien.
Mehr Seiten bedeuteten mehr Produkte. Mehr Produkte bedeuteten mehr Kompetenz.
Heute zeigt sich zunehmend eine andere Entwicklung. Leser bewerten Medien immer stärker nach ihrer Nutzbarkeit. Sie möchten Informationen schneller finden. Sie erwarten klarere Strukturen.
Sie bevorzugen verständliche Zusammenhänge gegenüber bloßer Vollständigkeit. adurch verschiebt sich der Fokus. Nicht die Menge der Informationen wird wichtiger, sondern deren Qualität.
Aus unserer Erfahrung werden erfolgreiche Kataloge der Zukunft deshalb häufig stärker kuratiert sein. Sie werden bewusster auswählen, stärker strukturieren und gezielter priorisieren.
Print und Digital wachsen zusammen
Eine weitere Entwicklung besteht darin, dass die Grenzen zwischen gedruckten und digitalen Medien zunehmend verschwimmen. Früher wurden beide Welten häufig getrennt betrachtet. Heute entstehen immer häufiger Systeme, die beide Medienformen miteinander verbinden.
Der Katalog liefert Orientierung. Digitale Plattformen liefern Aktualität.
Der Katalog schafft Überblick. Digitale Systeme bieten Detailinformationen.
Der Katalog unterstützt Entscheidungen. Digitale Anwendungen ermöglichen Konfiguration und Individualisierung.
Diese Arbeitsteilung wird aus unserer Sicht weiter zunehmen. Nicht weil Print an Bedeutung verliert, sondern weil jedes Medium seine jeweiligen Stärken gezielter einsetzen kann.
Personalisierung wird wichtiger
Digitale Medien haben die Erwartungen vieler Nutzer verändert.
Menschen sind zunehmend daran gewöhnt, Inhalte zu erhalten, die auf ihre Interessen zugeschnitten sind. Diese Entwicklung beeinflusst auch gedruckte Medien.
Schon heute entstehen Kataloge, die auf bestimmte Branchen, Zielgruppen oder Kundensegmente zugeschnitten sind. Statt eines einzigen universellen Katalogs entstehen häufiger mehrere spezialisierte Varianten. Dadurch werden Inhalte relevanter.
Leser erhalten Informationen, die näher an ihren tatsächlichen Anforderungen liegen. Interessanterweise führt die Digitalisierung damit nicht zwangsläufig zu weniger Print. In manchen Fällen ermöglicht sie sogar gezieltere und wirksamere Druckprodukte.
Nachhaltigkeit wird zu einem Qualitätsmerkmal
Nachhaltigkeit spielt bereits heute eine wichtige Rolle und wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen.
Dabei geht es nicht nur um Papier oder Druckverfahren. Die eigentliche Frage lautet häufig:
Wird dieses Medium tatsächlich genutzt?
Ein Katalog, der nach kurzer Zeit entsorgt wird, erfüllt seine Aufgabe nur begrenzt.
Ein Katalog, der über Jahre hinweg verwendet wird, besitzt einen deutlich höheren langfristigen Nutzen. Aus unserer Erfahrung wird Nachhaltigkeit deshalb zunehmend auch über Relevanz definiert.
Je hilfreicher ein Medium ist, desto länger bleibt es im Einsatz. Und je länger es genutzt wird, desto sinnvoller wird sein Ressourceneinsatz.
Künstliche Intelligenz verändert die Erstellung von Inhalten
Ein Thema, das viele Unternehmen aktuell beschäftigt, ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Auch die Entwicklung von Katalogen wird davon beeinflusst.
Texte können schneller erstellt werden. Produktinformationen lassen sich strukturieren. Übersetzungen werden einfacher. Bildmaterial kann teilweise automatisiert erzeugt oder bearbeitet werden.
Gleichzeitig zeigt sich bereits heute eine wichtige Grenze. Technologie kann Inhalte erzeugen. Relevanz entsteht jedoch weiterhin durch Verständnis für Zielgruppen, Märkte und Nutzerbedürfnisse.
Je einfacher die technische Erstellung von Inhalten wird, desto wichtiger werden strategische Entscheidungen. Die Frage lautet künftig weniger: „Wie erstellen wir Inhalte?“ ondern vielmehr: „Welche Inhalte sind für unsere Leser wirklich relevant?“
Vertrauen wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil
In einer Welt zunehmender Informationsmengen entsteht ein weiterer Effekt.
Vertrauen wird wichtiger. Menschen werden täglich mit unzähligen Informationen konfrontiert. Dadurch gewinnt die Glaubwürdigkeit von Quellen an Bedeutung.
Gut gemachte Kataloge können hier eine besondere Rolle spielen. Sie bündeln Informationen. Sie schaffen Struktur. Sie ermöglichen eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Themen. Sie wirken bewusst und dauerhaft. Gerade in komplexen B2B-Märkten kann dies auch künftig ein wichtiger Vorteil bleiben.
Die Zukunft ist nicht digital oder gedruckt
Vielleicht ist dies die wichtigste Erkenntnis. Die Zukunft wird vermutlich nicht von einem Gewinner bestimmt.
Weder Print noch Digital werden alle Aufgaben übernehmen. Vielmehr entwickeln sich beide Medien weiter und spezialisieren sich auf ihre jeweiligen Stärken.
Digitale Systeme werden schneller, aktueller und individueller. Gedruckte Medien werden fokussierter, hochwertiger und orientierungsstärker.
Die spannendsten Lösungen entstehen dort, wo beide Welten sinnvoll zusammenarbeiten.
Fazit
Die Zukunft des Katalogs besteht nicht darin, die Vergangenheit zu verteidigen. Sie besteht darin, die besonderen Stärken des Mediums neu zu definieren.
Aus unserer Erfahrung werden erfolgreiche Kataloge künftig weniger als Informationsspeicher und stärker als Orientierungssysteme verstanden werden. Sie helfen Lesern dabei, Komplexität zu reduzieren, Zusammenhänge zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Gleichzeitig werden digitale Systeme immer mehr Aufgaben übernehmen, die Aktualität, Suche, Personalisierung und Datenmanagement erfordern. Die Zukunft gehört deshalb nicht dem gedruckten oder dem digitalen Medium allein. Sie gehört den Unternehmen, die verstehen, welche Aufgabe welches Medium am besten erfüllen kann.
Und genau darin liegt letztlich die zentrale Botschaft dieses Leitfadens: Gute Kataloge entstehen nicht durch Technologie, Gestaltung oder Umfang allein. Sie entstehen dort, wo Informationen konsequent aus Sicht ihrer Leser gedacht werden.
18. Was wir aus erfolgreichen Katalogprojekten gelernt haben
Wer einen Katalog plant, beschäftigt sich zunächst oft mit sehr konkreten Fragen.
Wie viele Seiten werden benötigt?
Welche Inhalte sollen aufgenommen werden?
Wie soll die Gestaltung aussehen?
Welches Papier eignet sich?
Welche Bilder werden verwendet?
Diese Fragen sind wichtig. Sie bestimmen viele Details des späteren Ergebnisses. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus zahlreichen Projekten, dass die eigentlichen Erfolgsfaktoren häufig an anderer Stelle liegen.
Erfolgreiche Kataloge beginnen selten mit Design. Sie beginnen mit Verständnis. Mit dem Verständnis für die eigenen Ziele. Mit dem Verständnis für die Bedürfnisse der Leser. Und mit dem Verständnis dafür, welche Aufgabe ein Katalog überhaupt erfüllen soll. Vielleicht ist dies die wichtigste Erkenntnis des gesamten Leitfadens.
Ein Katalog ist kein Selbstzweck.
Er ist kein Produkt, das allein deshalb entsteht, weil Unternehmen schon immer Kataloge erstellt haben. Er ist ein Kommunikationsmedium. Seine Qualität bemisst sich nicht daran, wie viele Seiten er umfasst oder wie aufwendig er produziert wurde. Entscheidend ist, ob er Menschen dabei hilft, Informationen zu verstehen, Orientierung zu gewinnen und Entscheidungen zu treffen.
Je komplexer Produkte, Dienstleistungen oder Märkte werden, desto wichtiger wird diese Aufgabe.
Gute Kataloge denken vom Leser aus
Ein Gedanke tauchte in nahezu jedem Kapitel dieses Leitfadens auf. Die Perspektive des Unternehmens ist nicht automatisch die Perspektive des Lesers.
Unternehmen kennen ihre Produkte. Sie kennen ihre Prozesse. Sie kennen ihre Fachbegriffe. Sie kennen ihre internen Strukturen. Leser kennen all das häufig nicht. Sie kommen mit eigenen Fragen, eigenen Erwartungen und eigenen Herausforderungen.
Deshalb entstehen die besten Kataloge meist dort, wo Inhalte konsequent aus Sicht der Nutzer entwickelt werden. Nicht die Frage „Was möchten wir erzählen?“ steht im Mittelpunkt. Sondern die Frage: „Was müssen unsere Leser verstehen, um ihr Ziel zu erreichen?“
Dieser Perspektivwechsel verändert nahezu jede Entscheidung im Projekt. Er beeinflusst Inhalte. Er beeinflusst Struktur. Er beeinflusst Gestaltung. Und er beeinflusst letztlich die Wirkung des gesamten Mediums.
Weniger ist oft wertvoller als mehr
Eine weitere Beobachtung zieht sich durch viele erfolgreiche Projekte.
Die größte Herausforderung besteht selten darin, zusätzliche Informationen zu finden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die richtigen Informationen auszuwählen. Unternehmen verfügen heute über enorme Mengen an Wissen.
Produktdaten. Technische Informationen. Anwendungsbeispiele. Bilder. Texte. Referenzen. Die Versuchung ist groß, möglichst viel davon in einem Katalog unterzubringen.
Doch Leser profitieren selten von maximaler Informationsmenge.
Sie profitieren von Klarheit. Von Prioritäten. Von Orientierung. Von verständlichen Zusammenhängen. Deshalb gehört die bewusste Auswahl zu den wichtigsten Aufgaben der Katalogentwicklung. Nicht alles, was vorhanden ist, muss veröffentlicht werden.
Struktur schafft Verständnis
Viele Menschen unterschätzen die Bedeutung von Struktur.
Dabei entscheidet sie oft darüber, ob Informationen leicht verständlich oder mühsam zugänglich sind.
Eine gute Struktur reduziert Suchaufwand. Sie schafft Orientierung. Sie macht Zusammenhänge sichtbar. Sie erleichtert Entscheidungen. Leser bemerken eine gute Struktur meist kaum. Sie bemerken jedoch sehr schnell, wenn sie fehlt.
Deshalb lohnt es sich, der Informationsarchitektur dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken wie Design oder Inhalt. Häufig besitzt sie sogar größeren Einfluss auf die tatsächliche Nutzbarkeit eines Katalogs.
Gestaltung ist Kommunikation
Gestaltung wird manchmal auf ästhetische Fragen reduziert.
Farben. Schriften. Bilder. Layouts. All diese Elemente sind wichtig. Ihre eigentliche Aufgabe besteht jedoch nicht darin, schön auszusehen.
Sie sollen Kommunikation unterstützen. Gute Gestaltung hilft Lesern dabei, Inhalte schneller zu erfassen.
Sie schafft Hierarchien. Sie lenkt Aufmerksamkeit. Sie erleichtert Orientierung. Sie macht komplexe Informationen verständlicher. In diesem Sinne ist Gestaltung kein dekorativer Zusatz. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Informationsvermittlung.
Print besitzt weiterhin besondere Stärken
Die Diskussion um die Zukunft gedruckter Medien begleitet die Branche seit vielen Jahren Aus unserer Erfahrung führt sie oft in die falsche Richtung. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Print oder Digital besser ist. Die entscheidende Frage lautet, welche Aufgabe welches Medium besser erfüllt.
Digitale Systeme sind unschlagbar, wenn es um Aktualität, Suche, Datenmengen oder Personalisierung geht. Gedruckte Medien besitzen dagegen besondere Stärken bei Orientierung, Übersicht, Haptik, Aufmerksamkeit und langfristiger Nutzung.
Deshalb entstehen die überzeugendsten Lösungen häufig dort, wo beide Welten sinnvoll miteinander kombiniert werden. Nicht als Konkurrenz. Sondern als Ergänzung.
Gute Kataloge sind langfristige Systeme
Viele Unternehmen betrachten einen Katalog als einzelnes Projekt.
Eine Ausgabe wird geplant, produziert und veröffentlicht. Danach beginnt irgendwann die nächste Ausgabe. Mit zunehmender Erfahrung verändert sich diese Sichtweise häufig. Erfolgreiche Unternehmen verstehen ihre Kataloge zunehmend als Kommunikationssysteme.
Inhalte entwickeln sich weiter. Strukturen wachsen. Informationen werden ergänzt. Neue Anforderungen entstehen. Wer diese Entwicklung von Anfang an mitdenkt, schafft flexiblere, wirtschaftlichere und langlebigere Lösungen.
Die eigentliche Aufgabe besteht dann nicht mehr darin, immer wieder neu anzufangen. Sie besteht darin, ein funktionierendes System kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt Verständnis
Wenn wir die Erfahrungen aus unterschiedlichsten Projekten auf einen einzigen Gedanken reduzieren müssten, wäre es vermutlich dieser:
Gute Kataloge entstehen dort, wo Unternehmen ihre Leser verstehen. Technik kann unterstützen. Gestaltung kann unterstützen. Papier kann unterstützen. Digitale Systeme können unterstützen.
Doch keine dieser Maßnahmen ersetzt das Verständnis für die Menschen, die den Katalog später nutzen werden. Je besser Unternehmen deren Fragen, Bedürfnisse und Entscheidungsprozesse kennen, desto leichter werden alle weiteren Entscheidungen. Und desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Katalog mehr wird als eine Sammlung von Informationen. Nämlich ein Medium, das tatsächlich hilft.
Abschließende Gedanken
Ein Katalog ist immer auch ein Ausdruck der Haltung eines Unternehmens. Er zeigt, wie sorgfältig Informationen aufbereitet werden. Er zeigt, wie ernst Leser genommen werden. Er zeigt, wie komplexe Inhalte verständlich gemacht werden. Und er zeigt, welchen Stellenwert Kommunikation innerhalb einer Organisation besitzt.
Deshalb ist die Entwicklung eines Katalogs weit mehr als eine gestalterische oder technische Aufgabe. Sie ist die Herausforderung, Wissen so zu strukturieren, dass daraus Verständnis entsteht.
Genau darin liegt aus unserer Erfahrung die eigentliche Kunst guter Kataloge. Nicht darin, möglichst viele Informationen bereitzustellen. Sondern darin, Menschen dabei zu helfen, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu finden, zu verstehen und für ihre Entscheidungen zu nutzen.
Wenn ein Katalog das erreicht, hat er seine wichtigste Aufgabe erfüllt.